Motivation und Durchhalten, Zu Gast bei mir
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Was du auf keinen Fall tun solltest, wenn du Menschen inspirieren und begeistern möchtest (Gastartikel)

Gastartikel Nils Terborg

Ein Gastbeitrag von Nils Terborg

Heute möchte ich zwei Fragen beantworten:

  • Was ist einer der geschicktesten Wege, um Wissen von einer Person zur anderen zu transportieren?
  • Und wie kannst du diesen Weg häufiger für dich nutzen?

Also, dann los geht’s! Hol dir noch ein Glas Wasser, das soll ja gut sein für die Konzentration. Und den Artikel hast du durch, wenn du auch das Glas leer hast!

Der Worst-Case: die klassische Wissensvermittlung!

klassische WissensvermittlungAls ich noch jung war, habe ich mal Geschichte studiert. In einem der Seminare ging es um eine antike Münzsammlung. Eigentlich spannend, die Teile waren immerhin über 2000 Jahre alt. Wenn man sich nur mal vorstellt, wer das alles in den Händen gehabt haben muss!

Mir wurde es allerdings eher vorgestellt. In einem 45-minütigen Vortrag. Mit Powerpoint. Jede Münze einzeln. Pro Münze eine Folie, pro Folie 10 Sekunden. Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem ‚ansprechenden‘ Vortrag:

Claudius

Auf diesem Bild sehen wir Claudius, Jahr 345 v. Chr., gefunden in einer frührömischen Siedlung. *Click* Auf dieser Folie sehen Sie Julius aus dem Jahr 278 v. Chr., gefunden in einer Kolonie nahe dem heutigen Köln. *Click* Auf dieser Folie sehen Sie Romanus, 189 v. Chr.usw…*

(*: ich übernehme keine Verantwortung für die Korrektheit der historischen Informationen! Höchstwahrscheinlich ist da irgendwas falsch!)

Toll, oder? Mann, ich glaube dir glatt, dass du selbst gerne dabei gewesen wärest. Um Informationen wie ein Schwamm aufzusaugen. Oder ich sollte wohl eher sagen, um dich in Informationen zu ertränken! ;-]

Wie kann man Wissen vermitteln und Menschen trotzdem begeistern?

Im Titel hatte ich angekündigt, dass du noch ein paar konstruktive Hinweise bekommst. Dafür ist jetzt die richtige Zeit. Vorausgesetzt, du hast den Anfang des Artikels unbeschadet überstanden…

Also, die erste Möglichkeit: du kannst durch Denkwürdiges, wie zum Beispiel durch verrückte Kombinationen begeistern. Ein Beispiel aus Gedächtnistrainings verdeutlicht das Konzept dahinter.

Angenommen du möchtest dir 3 Begriffe merken. Nehmen wir ‚Pommes‘, ‚Gabelstapler‘ und ‚Einhorn‘. Wenn du diese Begriffe behalten willst kannst du sie dirimmer wieder vorsagen. Auf einer rationalen Ebene funktioniert das auch und du merkst dir die Begriffe. Ziemlich genau so lange wie du sie dir vorsagst. Aber nicht viel länger.

Wie geht es besser? Gedächtnistrainer empfehlen, aus solchen Begriffen eine möglichst abstruse Story zu stricken.

Ein Beispiel:

Als die kleine Pommes eines Morgens aufstand, sah sie sich beim Verlassen des Hauses einem fürchterlichen Gabelstapler gegenüber. Nach einem langen und harten Kampf obsiegte die Pommes aber und ritt auf ihrem Einhorn in den Sonnenuntergang!

Probiere es aus! Ich wette, die Geschichte kannst du nächste Woche noch so aufsagen, dass du dich an die drei Begriffe ‚Pommes‘, ‚Gabelstapler‘ und ‚Einhorn‘ erinnerst. Und sofern es gewünscht wäre, auch noch zusätzlich an die Begriffe ‚Haus‘, ‚fürchterlich‘ ‚Kampf‘, ‚reiten‘ und ‚Sonnenuntergang‘.

Mit dem einfachen Aufsagen, also dem bewusst-rationalen Zugang wäre dein Gehirn dabei hoffnungslos überfordert.

Was ist daran jetzt so besonders?

Na ja, könnte man jetzt sagen. Dann kommunizieren wir jetzt halt alle verrückt und emotional, dann können wir uns alles merken und alles wird besser. Aber warum brauchen wir einen Gedächtnistrainer, um darauf zu kommen, dass wir uns verrückte Sachverhalte besser merken können, als normale und regelmäßige?

Lass uns kurz darüber nachdenken, warum das so ist. Denn das hilft, den ersten Schritt in diese Richtung zu gehen! Wenn du dich an deine Kindheit zurückerinnerst, fällt dir vielleicht auf, dass du mit vielen Anweisungen konfrontiert wurdest:

  • Vom Lehrer: „Mach deine Hausaufgaben!“
  • Von deinen Eltern: „Komm pünktlich nach Hause!“
  • Von deinen Freunden: „Du bist nur cool, wenn du mit auf die Party kommst!“

Das hinterlässt natürlich Spuren und prägt dich. Je nach Intensität der Erfahrungen und abhängig von deiner Persönlichkeit mal mehr und mal weniger!

Was haben alle diese Anweisungen gemeinsam?

Ganz einfach: sie sind explizit!

Sie drücken genau das aus, was mit ihnen gemeint ist. Und: sie gehen links rein und rechts direkt wieder raus, wie man so schön sagt. Das ist streng genommen auch kein Wunder, denn warum sollten sie hängenbleiben? Sie sind weder neu (wahrscheinlich hast du jeden dieser Sätze schon viele Male gehört), noch besonders interessant (na gut,‚nervig‘ trifft es wohl eher) und erst recht begeistern sie nicht, indem sie angenehme und emotionale Bilder vor deinem inneren Auge entstehen lassen.

Das Problem dabei: genau das braucht unser Gehirn, um Anschlüsse herzustellen und Transfer zu leisten. Wir brauchen also innovative, interessante und angenehm-emotionale Botschaften, um aktiv zu werden.

Und jetzt die Frage zum Abschluss: welchen Zustand möchtest du in den Köpfen deiner Zuhörer und Leser entstehen lassen? ;-]

Wenn du ein bisschen deine Kreativität trainieren willst, nutze gerne die Begriffe der Story oben und poste mir deine verrückte Story in die Kommentare!

Falls du Fragen hast, oder du dich noch weiter zum Thema Storytelling informieren willst, besuche meinen Blog auf www.nilsterborg.de

Nils_klein - swWer ist Nils Terborg?

Nils arbeitet interkulturell, innovativ und individuell. Als Trainer, Coach, Dozent, Speaker und SocialEntrepreneur. Ihm ist es dabei wichtig, ausgetretene Pfade zu verlassen und eigentlich vorhandenes Wissen auch zu gelebten Kompetenzen werden zu lassen!

 


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8 Kommentare

  1. Ein schöner Gastartikel. Das stimmt, es kommt auf die Art und Weise an, wie man etwas vermittelt, ganz egal, ob nun in der Schule, an der Uni, bei einem Vortrag, usw. Mit etwas Humor und kleinen Geschichten ist die Aufnahme und das Lernen sehr viel angenehmer und einfacher.

  2. Dankeschön!;-]
    Man fragt sich, warum sich das in über 100 Jahren Schul- und Lernkultur noch nicht flächenübergreifend durchgesetzt hat…
    Aber gut, man kann es angehen.

  3. Ganz genau. Darum versucht Werbung auch meist, den direkten „Kauf mich jetzt!“-Appell zu umgehen und emotionale Geschichten zu erzählen. Sie sagen es ja richtig: „das Gehirn braucht Anschlüsse“. Immer gut, wenn man daran erinnert wird!!!

    Herzlichen Gruß
    Christiane Blenski

  4. Alice Badorrek sagt

    Ich finde den Artikel erstklassig und man erkennt aufjeden Fall eigene Parallelen. 🙂
    Der Gastartikel ist wirklich inspirierend und auch gut anwendbar auf eigenen Texte oder Referate etc.
    Danke für diesen tollen Artikel
    Liebe Grüße
    Alice Badorrek

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