Ganz persönlich, Produktivität und Effizienz
Kommentare 8

Das 120-Stunden Experiment – Erfahrungsbericht mit Fokus

Stell‘ dir vor …

120 Stunden lang tappeln keine Füße durch’s Haus. Du kannst schlafen wann du willst und arbeiten wann du willst. Kein lautes „Mamaaaaa“ dringt durch Mark und Bein. Kein Fernseher oder Radio im Hintergrund. Keine Gespräche, Erklärungen und Diskussionen. Keine Rücksichtnahme auf Termine oder Befindlichkeiten.

Nur du und dein Fokus – 120 Stunden lang …

Klingt paradiesisch?

Ich hab’s ausprobiert: 120 Stunden – Claudia alleine zu Hause 🙂

Und zwar das erste Mal seit 21 Jahren.

Wenn dir jetzt sofort der Titel eines bestimmten Kinder-Filmes in den Sinn kommt, dann kann ich dich beruhigen. Das Haus steht noch, Einbrecher haben mich nicht besucht und ein professioneller Putz- und Renovierungstrupp ist auch nicht notwendig.

Natürlich war ich in den letzten 21 Jahren immer wieder alleine auf Fortbildungen unterwegs (was sich auch wie Urlaub anfühlt), abwechselnd haben auch zu Hause Familienmitglieder „gefehlt“ – aber so richtig und ganz alleine war ich nie.

In der letzten August-Woche war es dann so weit, meine Tochter war bereits ausgezogen und meine Männer auf Fußball-Trainingscamp.

Es war eine Challenge, die ich so nicht erwartet hatte … denn es ist nicht alles Gold was glänzt.

Vorbereitung

In den Wochen davor hatte ich schon fleißig Dinge gesammelt, die ich gerne in diesen 120 Stunden machen wollte. Allerdings nicht mit „muss“ dahinter, sondern Projekte, für die ich mir im Alltag keine Zeit genommen hatte.

Sehr bewusst und absichtlich war diese Wunschliste völlig überladen und ich hätte sie mit Sicherheit nicht einmal in 360 Stunden erledigen können. Das war allerdings auch nicht das Ziel dabei.

Ich wollte einfach – wie an einem reichhaltigen Frühstücksbuffet – auswählen können, worauf ich Lust hatte.

Alleine ist nicht alleine

Stundenweise alleine zu Hause zu sein kenne ich natürlich als Homeworker.

Aber irgendwie weiß das Unterbewusste in diesem Fall, dass demnächst jemand auftauchen wird, dass du nicht alleine schlafen gehen wirst und – sosehr ich meine erste ruhige Stunde in der Früh alleine genieße – auch nicht alleine aufstehst.

Warum auch immer:

Zu wissen, dass absolut niemand im Haus ist und in den nächsten Tagen auch nicht sein wird, hat in mir nicht die erwartete Euphorie sondern ein ganz eigenartiges, phasenweise sogar unangenehmes Gefühl hervorgerufen.

Ich habe kein Wort dafür, außer vielleicht „alleine“ – aber in einer ganz anderen Qualität als ich es bisher gekannt habe.

Konsequenz daraus: Ich bin wesentlich dankbarer für das Leben im Haus und schätze die Alleine-Stunden noch mehr als zuvor.

Mit dem Wissen, nicht alleine zu sein.

Der eigene Rhythmus

An meinen Aufsteh-Gewohnheiten hatte ich nichts geändert, um 05:10 Uhr war Tagwache, weil ich in der Früh einfach am produktivsten bin.

Dadurch ergibt sich aber im Tagesablauf, dass ich meist gegen Mittag schon ziemlich ausgepowert bin.

In diesen 5 Tagen habe ich meinem Rhythmus entsprochen, zwischen 12:00 Uhr und 15:00 Uhr nichts oder sogar ein Schläfchen gemacht. Völlig ungewohnt und neu für mich.

Neu war auch die Erfahrung, dass ich danach locker bis 23:00 Uhr mit kleineren Pausen durcharbeiten konnte. Im normalen Alltag genehmige ich mir diese dreistündige Pause nie, da ich versuche, nach 17:00 Uhr für die Familie bzw. das „Home“ vom Home-Office da zu sein.

Konsequenz daraus: Sobald ich in mein Arbeitszimmer übersiedelt bin (am Mittwoch kannst du mich beim Ikea in Vösendorf antreffen ;-)) werde ich mir immer wieder einmal solche Tage gönnen. Natürlich abgestimmt auf die Aktivitäten und Stundenpläne der gesamten Familie.

Familie hat etwas Gutes 😉

So großartig es ist, sich den Tag selbst einteilen zu können, während meines Experiments habe ich gemerkt, dass ich wohl dazu neigen könnte, „uferlos“ zu werden. Keine Pausen zu machen und im Flow die Zeit zu vergessen.

Auf lange Sicht gesehen wäre das sicher weder produktiv noch gesund!

Freiheit kann also auch zur Unfreiheit führen.

Konsequenz daraus: Im letzten Artikel über meine Top-Produktivitäts-Tools habe ich bereits meine Familie als wichtiges Abgrenzungsmittel beschrieben und das lebe ich jetzt aktiver und bewusster.

Wellenreiten mit Fokus

Mein Hauptprojekt in diesen Tagen war die Konzeptionierung meines Online-Kurses.

Ich bin da ohne Zeitbeschränkung wirklich total eingetaucht, wurde kaum abgelenkt, konnte jederzeit Ideen dazu entwickeln und gleich festhalten. Ja, das war ein Ritt auf den Wellen mit Fokus auf die nächste Insel – ein tolles Gefühl!

Konsequenz daraus: Bisher habe ich die verschiedenen Projekte und Tätigkeiten schön abwechselnd auf meine Arbeitstage aufgeteilt und dachte nicht, dass es möglich wäre, noch mehr zusammenzufassen und z.B. einen halben oder sogar ganzen Tag einer einzigen Aufgabe zu widmen. Arbeitsblöcke ansich habe ich ja bisher schon gerne und erfolgreich angewendet, aber nicht in dieser Konsequenz.

Seit dieser Erfahrung verteile ich meine Arbeitsblöcke allerdings völlig anders.

Beispiel: Bisher hatte ich die 20 Arbeitsstunden für meine Anstellung immer möglichst gleichmäßig auf die 5 Tage aufgeteilt. Inzwischen teile ich sie nur mehr auf 3 Tage auf und schaffe es dadurch, fokussierter zu arbeiten.

Ebenso verteile ich Einzelcoachings und Skype-Gespräche nicht mehr über die ganze Woche, sondern versuche alle auf einen oder zwei Tage zu konzentrieren.

Dadurch kann ich kontrollierter meine Fokus-Wellen reiten!

Das waren sie also, meine 120 Stunden Fokus. Ich weiß natürlich nicht, ob sich diese Gelegenheit in den nächsten Jahren wieder ergeben wird, ich würde es allerdings wieder genau so machen wie diesmal.

Wichtiger finde ich, die Konsequenzen weiter zu leben und wenn möglich noch auszubauen.

Wie läuft das bei dir ab?

Kennst du solche Phasen? Wie nützt du sie? Wenn nicht: wie könntest du dir solche Fokus-Zeiten schaffen? Ich freue mich auf deine Erfahrungsberichte im Kommentar!

P.S. Und bleib‘ neugierig!


8 Kommentare

  1. Nicole Bailer sagt

    Liebe Claudia,

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem – wie ich finde – gelungenen Experiment.

    Ich finde mich in einigen deiner Punkte wieder. Durch Krankenhaus-Aufenthalte meines Mannes war ich auch schon wochenlang alleine zuhause. Es ist eine ziemliche Umstellung und ich habe die Zeit danach, in der ich wieder jemand in meiner Nähe hatte – noch mehr geschätzt und gewürdigt.
    Ich stehe auch morgens sehr früh auf, um den Tag ohne Kind und Mann zu starten. Meine Abläufe würden sich vermutlich auch erst zum Nachmittag hin verändern – da bin ich, wie Du auch, für die Familie da.

    Mal schauen, ob sich so ein Experiment auch bei uns mal anbietet – wer weiß. Es kingt auf jeden Fall spannend und ist sicher eine Erfahrung wert.
    Danke das Du sie mit uns hier teilst!!

    Ganz liebe grüße,
    deine Nicole

    • Hallo Nicole!

      Danke für deine Nachricht – alleine mit Kind zu Hause weil dein Mann im Krankenhaus ist, war sicher wieder eine ganz andere Erfahrung. Da kommen ja noch jede Menge Sorgen dazu, die hatte ich natürlich nicht.

      Spannend war für mich einfach das Fazit, dass ich mir (sehnlichst) etwas gewünscht habe – und als ich es dann hatte, war es doch nicht nur positiv. Ich denke, das ist ein genereller Denkfehler, auf den wir immer wieder reinfallen. Die Wenn-dann-Falle 🙂

      Falls du die Gelegenheit für so ein Experiment bekommst, freue ich mich über deinen Bericht!
      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Hallo Claudia

    eine interessantes Projekt und spannende Ergebnisse. Ich habe einen Hauptjob und baue mir gerade mein zweites Standbein auf. Da habe ich festgestellt, wie wichtig Fokus halten ist – denn wenn ich beides gleichzeitig mache, dann geht mir einiges unter.
    Also habe ich habe beschlossen von Mo-Do meinen Schwerpunkt Fokus auf mein erstes Standbein zu setzen und von Fr-So den Fokus auf mein zweites Standbein. Das ist allerdings auch kein Dauerzustand, denn mein Privatleben kommt dabei deutlich zu kurz. Ich werde mir demnächst einen anderen Fokus überlegen.

    Von Herzen liebe Grüße
    Veronika

    • Liebe Veronika,

      danke für deine Erfahrungen! Das klingt aber wirklich nicht nach gutem Dauerzustand. Vielleicht kannst du die Aufteilung auf 3,5 Tage für den ersten Job, 2,5 Tage den zweiten – und einen Tag für dein Privatleben ändern? Das ist jeweils nur ein halber Tag weniger, du hältst den Fokus trotzdem – und tankst auf!

      Würde mich sehr interessieren, wie es da bei dir weiter geht!

      Schönen Sonntag noch,
      Claudia

  3. Tanja sagt

    Liebe Claudia,

    du berichtest von einer interessanten Erfahrung. Ich bin seit Mitte August in der Woche tagsüber alleine zu Hause. Da ab ca. 19:00 allgemein mein Mann zu Hause ist, ist es natürlich nochmals ganz anders als bei dir. Am WE ist dann mein Töchterchen da und ich freue mich darüber. In diesem Wechsel merke ich, wie ich sowohl in der Zeit alleine mir manchmal Gesellschaft wünsche, aber auch an den WEs denke, oh morgen bist du wieder den ganzen Tag alleine zu Hause und mich darauf freue.

    Ob ich meine Zeit „sinnvoll“ oder effektiv nutze, da zweifle ich noch sehr. Aber muss ich das? Bei mir gab es nicht so die Sehnsucht Zeit für bestimmte Projekte zu haben, sondern es fehlte eher an Muse und Kraft.

    Liebe Grüße
    Tanja

    • Liebe Tanja,

      das klingt auch nach einer großen Umstellung! Und es ist doch so wie oft: das was wir in dieser Sekunde nicht haben, ist das, was wir gerne hätten 😉

      Zu deiner Frage „muss ich das?“: Wer außer dir kann schon entscheiden und bewerten, ob du deine Zeit sinnvoll verbringst? Und was „sinnvoll“ überhaupt ist? Wenn Ruhe und Kraft tanken momentan für dich wichtig sind, dann finde ich das sehr sinnvoll!

      Weiterhin viele schöne Stunden in deinem Home-Office!

      Sonnige Grüße, Claudia

  4. Pingback: Wenn du DAS akzeptierst, arbeitest du ab sofort fokussiert! › Abenteuer Home-Office

  5. Pingback: Ideen für Blogartikel - warum suchen, wenn das Gute liegt so nah! › Abenteuer Home-Office

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare abonnieren?