Selbst-Management
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Und es gibt sie doch! Dumme Fragen …

Dumme Fragen

Ich muss ein wenig ausholen …

Unser Motto, also das meines Mannes und mein eigenes, war immer: „Wenn du nicht fragst, hast du auch keine Chance zu bekommen was du möchtest“.

Zumindest haben wir das immer zu unseren Kindern gesagt, wenn sie wieder mal herumdrucksend vor uns standen und nicht so recht mit der Sprache heraus rückten.

Und kennst du ihn noch, den Song von der Sesamstraße?

Der, die, das
Wer, wie, was?
Wieso, weshalb, warum?
Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Als dritten Ausgangspunkt: wahrscheinlich hast du auch selbst schon oft zu einem Fragenden gesagt: „Es gibt keine dummen Fragen!“

Man kann sich auch täuschen …

Nun, ein Erlebnis in der letzten Woche lässt mich in diesem Artikel darüber nachdenken, ob das denn wirklich so ganz richtig ist. Ich hab’s nämlich getan, ich hab‘ eine ziemlich dumme Frage gestellt.

Zur Vorgeschichte

Momentan läuft gerade die Beta-Phase meines Online-Coaching-Programms. Schon im voraus hatte ich den Teilnehmern „angedroht“, ihnen einige Fragen während des Kurses zu stellen, um ihn zu optimieren und einfach auch herauszufinden, was sie genau benötigen.

Außerdem treffen wir uns jeden Freitag zu einem Skype-Meeting, in dem die TeilnehmerInnen Fragen stellen können, Feedback geben und währenddessen ich natürlich auch nachfrage, was für sie noch hilfreich wäre. Naturgemäß können aber nicht immer alle an diesen Meetings teilnehmen, daher nehme ich es auf und stelle es dann zum Nachhören zur Verfügung.

So weit, so gut.

Und jetzt kommt’s: aus den unten näher beschriebenen Gründen (das weiß ich allerdings erst jetzt …) habe ich nach dem letzten Meeting nachgefragt, ob die TeilnehmerInnen denn gerne eine Zusammenfassung von diesen Skype Meetings in schriftlicher Form hätten.

Und ganz tief drinnen war ich mir sicher, als Antwort ein eindeutiges „Nein, danke“ zu erhalten.

Tja, dem war nicht so.

Eine Teilnehmerin meinte, wenn das Audio zu lange wäre, hätte sie es lieber in schriftlicher Form. Und das saß ich nun. Ziemlich unter Zeitdruck, weil ich die Unterlagen für die nächste Woche noch nicht fertig hatte und wusste, dass mich so eine Zusammenfassung auf jeden Fall 2 Stunden kosten würde.

Dumm gelaufen …

Was mich zu den Gründen führt, warum es doch dumme Fragen gibt und ich gleich eine Kombination aus allen geschafft habe 😉

1. Du erwartest dir eine bestimmte Antwort.

Ganz ehrlich: da ich es selbst bevorzuge, einem Gespräch zuzuhören, als es zusammengefasst zu bekommen, hatte ich einfach nicht erwartet, dass jemand anderer einfach etwas anderes bevorzugt. D.h., ich bin von meinen eigenen, persönlichen Präferenzen ausgegangen.

Und das passiert wohl öfter. Doch genauso wenig wie es nur eine Wahrheit gibt, gibt es eben auch nicht nur eine Antwortmöglichkeit auf eine Frage.

Das Learning daraus: Bevor du eine Frage stellst, überlege dir genau, aus welchen Perspektiven heraus es welche Antworten darauf gäbe.

Noch einfacher ist es, wenn du (so wie ich) eine geschlossene Frage stellst. D.h. eine Frage, auf die es nur ein „Ja“ oder „Nein“ als Antwort gibt. Könntest du mit beiden gut leben?

Wenn das nicht der Fall ist, dann lass es lieber!

Was mich gleich zum 2. Grund für dumme Fragen bringt.

2. Du willst keine Entscheidung treffen.

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass es in jedem Fall besser ist, selbst eine Entscheidung zu treffen, als mich von der Entscheidung anderer abhängig zu machen.

Aber sie sind halt nicht immer wirklich angenehm! Denn jede Entscheidung für etwas ist eben auch eine gegen etwas.

Wenn du allerdings diese Entscheidung eben nicht selbst triffst, dann musst du auch damit rechnen, dass das jemand anderer für dich übernimmt. In meinem Fall war es eine Teilnehmerin des Kurses.

Das Learning daraus: Triff Entscheidungen – auch unbequeme!

Vielleicht hast du auch manchmal das Gefühl, eine Entscheidung quasi über den Kopf eines anderen hinweg zu treffen. Das mag so sein.

Und was bedeutet es, eine Entscheidung über den Kopf eines Anderen hinweg zu treffen

Genau.

Es könnte sein, dass dein Gegenüber dich nicht mehr so smart und toll findet. Womit wir beim 3. Grund sind.

3. Du willst es allen recht machen.

Auch dazu gibt es einen netten Spruch: „Es allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“

Kennst du wahrscheinlich auch.

Natürlich wollte und will ich jedem Teilnehmer das bieten, das er oder sie sich von diesem Kurs erwartet hat. Aber zu jedem Preis? Nämlich auch zu dem Preis, dass ich an meine eigenen Grenzen stoße, Pläne umwerfe und mich eher mit einem unwilligen Gefühl an die Aufgabe mache?

Nein, so sollte es nicht sein. Habe ich zumindest für mich beschlossen.

Das Learning daraus: Wenn du 5 Menschen etwas anbietest, bzw. fragst was sie genau brauchen, dann rechne damit, dass du 6 unterschiedliche Antworten bekommst.

Verfasse also deine Unterstützungs-Angebote (und somit Fragen) so, dass du selbst damit nicht ins Schleudern kommst.- Egal, ob es jedem recht ist oder nicht. Damit triffst du auch bereits Entscheidungen darüber, was für dich machbar ist und was nicht.

Was wurde nun aus der Zusammenfassung?

Ich war kurze Zeit etwas grumbelig. Einerseits auf mich, dass ich mich selbst so hineingeritten hatte und andererseits aber auch auf die Teilnehmerin, die so etwas „Unmögliches“ von mir verlangte.

Was ja absoluter Quatsch ist, weil sie es nicht verlangt, sondern ich es angeboten hatte!

Um aus dieser Zwickmühle herauszukommen gab es nur eine Möglichkeit: eine Entscheidung zu treffen. Und diese Entscheidung dann möglichst klar und positiv rüberzubringen.

Somit habe ich im darauf folgenden Skype-Meeting erzählt, in welche Schwierigkeiten ich mich durch diese Frage gebracht hatte, um Verständnis gebeten und gesagt, dass es keine schriftliche Zusammenfassung geben würde, da es mich zu viel Zeit kostet.

Niemand, auch nicht diese eine Teilnehmerin, hat mir das übel genommen oder sich auf den Schlips getreten gefühlt.

Fazit

Stelle nur Fragen, deren Antworten dich wirklich interessieren, und überprüfe vorher, ob du mit allen möglichen Antworten auch leben kannst. Wenn das nicht der Fall ist, triff eine Entscheidung und lebe mit den Konsequenzen.

Frage an dich

Ja, sie interessiert mich und ich freue mich auf jede Antwort, egal ob zustimmend oder nicht 🙂

Kennst du das eigentlich auch? Welche Fragen hast du schon gestellt, deren Antworten dich dann doch etwas überrumpelt haben?

Über einen Kommentar und deine Geschichte freue ich mich wie immer!

P.S.: Und bleib‘ neugierig!


 

21 Kommentare

  1. Liebe Claudia,

    das ist eine wirklich gute Geschichte. Ich finde es wunderbar, dass du deinen Lesern mit deiner Geschichte die Möglichkeit gibst, ihr Frageverhalten und die dahinter liegenden Motive zu überdenken.
    Ich hab den Motiven noch etwas hinzuzufügen:
    Die fragende Person will es den Teilnehmern bequem machen und will, dass alle zufrieden sind.
    … und entdeckt erst nach der Fragestellung, dass es sie selbst mit dieser Lösung nicht zufrieden ist.

    Danke für deine Offenheit.

    Alles Liebe,
    Ilse

  2. Hallo Claudia,
    gut erzählt, das kommt nicht nur bei Fragen vor. Es gibt auch viele Leute, die gerne ihre Hilfe oder sonst etwas anbieten, aber nicht damit rechnen, dass jemand annimmt.
    Wie Du schreibst, kann man bei den Antworten auch nicht immer von sich selbst ausgehen und generell finde ich, dass man immer darauf achten sollte, was man sagt, da man nie weiß, wer einen ernst nimmt.
    Wünsche eine gute Woche.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Ja, Claudia! Das mit der Hilfe anbieten und dann (eigentlich) damit überfordert sein, kenne ich auch 🙂 Aber in der Hinsicht habe ich schon viel dazu gelernt – und jetzt beim Fragen auch 😉

      Wünsche dir auch eine tolle Woche!
      Liebe Grüße,
      Claudia

  3. Agata sagt

    Wer hat sich nicht auch zumindest einmal die Frage gestellt „Verdammt, wieso musste ich das jetzt fragen?“ 🙂
    Ich finde es gut sich das nochmal ins Bewusstsein zu rufen die eigenen Fragestellungen zu überdenken, ist aber auch eine Trainingssache – man sollte ja auch zuerst drüber nachdenken, bevor man etwas sagt 😉

  4. Roland sagt

    Auf den Volksmund „Es gibt keine dummen Fragen“, was man genauso mit „Es gibt niemals dumme Fragen“ umschreiben könnte würde ich mit: „Sag niemals nie“ antworten.

  5. Hallo Claudia,
    wirklich eine toll erzählte Geschichte. Hat mich an 2 andere Sprüche erinnert:
    1. Frage nur, wenn Du mit jeder möglichen Antwort leben kannst.
    2. Manchmal ist machen und danach entschuldigen sinnvoller als vorher fragen.

    Liebe Grüße,
    David

  6. Liebe Claudia
    eine wunderbare Geschichte… ich musste gerade schmunzeln.
    Du hast es wunderbar gelöst, offen, ehrlich und authentisch.
    Ich bin manchmal auch etwas vorschnell mit dem Fragen nach mehr (Mehr-Arbeit für mich).
    Das versuche ich gerade mal einzudämmen.
    Gelernt habe ich inzwischen über meine Antworten nachzudenken und zu sagen, muss ich erstmal darübernachdenken bevor ich mich entscheide. Ist in vielen Fällen hilfreich. Wenn ich mir klar über die Dinge bin, kann ich mich auch sofort entscheiden;-)
    Liebe Grüße Veronika

    • Liebe Veronika,

      vielen Dank! Die Geschichte kam auch direkt aus dem Leben und dem Herzen :-). Über Antworten nachzudenken ist wirklich der erste Schritt – durfte ich auch schon lernen …

      Sonnige Grüße,
      Claudia

    • Vielen Dank, Katharina!

      So wie ich dich bisher erlebt habe, bist du halt auch jemand, der viel weiß, damit nicht geizt und somit immer in die „Gefahr“ gerät, dich mit deiner Unterstützung an deine eigenen Grenzen zu bringen. Du braucht kein spezielles Beispiel – es reicht schon, wenn es dir VOR deiner nächsten Frage auffällt 😉

      Liebe Grüße,
      Claudia

  7. Hi Claudia,
    Danke dafür, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

    Skype nutze ich sehr gerne für den Erfahungsaustausch zwischen den Teilnehmern und mir.
    Hier zwei Möglichkeiten, falls Du eine Mitschrift anbieten möchtest:
    1. Überlege, ob Transkribieren lassen, eine Möglichkeit für Dich ist.
    2. Oder ob eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte auch ausreicht.

    herzliche Grüße

    Tine

    • Liebe Tine,

      vielen Dank für deinen Input! Transkribieren lasse ich schon einige Dinge, das wäre aber in diesem Fall zu kurzfristig gewesen. Ich wollte auch nur eine kurze Zusammenfassung anbieten – aber dazu hätte ich mir 1 Stunde Audio anhören müssen, daneben noch zusammenfassen, hübsch formatieren … nun, da sind 2-3 Stunden futsch 😉

      Eine Idee wäre noch, mir VOR dem Skype-Meeting zumindest die Punkte aufzuschreiben, dich ich ansprechen möchte und das als Zusammenfassung anzubieten. Mal gucken 🙂

      Liebe Grüße,
      Claudia

  8. Ich finde es gibt durchaus dümmere Fragen – z.B. wenn jemand völlig durchnässt von draußen kommt und ein anderer fragt: „Regnet es draußen?“

    Oder solche Selbstschussanlagen wie: Kunde fragt: „Haben Sie die Leitung noch nicht geschaltet oder bin ich zu blöd?“ Rückfrage Kundenberater: „Leuchtet die DSL-Lampe an ihrem Router?“ Kunde antwortet: “ Ja.“ Der Kundenberater: „Dann haben wir geschaltet!“
    Der Kunde bricht in schallendes Gelächter aus!

    Passiert halt manchmal im Gedränge.

    Herzliche Grüße
    Anja Maschlanka

  9. Tanja sagt

    Hallo Claudia,
    zur Zeit lese ich deinen Blog etwas verspätet. Letzte Woche ist es mir passiert, dass ich mich über meine „vorlaute“ Frage erst geärgert habe und dann gefreut habe. Seit Januar bin ich in einer Gruppe, die sich einmal im Monat zu Meditationen trifft, jeder soll mal dran sein. Das erst Mal hat die Initiatorin die Medatation geleitet. Dann fragte sie am Ende V. ob er die nächste macht. Er sah etwas unglücklich aus und ich fragte, ob ich die nächste Meditation machen soll. Es kam keine klare Antwort dazu.
    Dazu muss ich sagen, dass ich in einer Gruppe noch nie eine Meditation geleitet habe. Ich überlegte, welche Meditation ich denn führen wollte. Dann hatte ich einige Ideen, die ich alle wieder verwarf. An dem Tag an dem die Meditation stattfinden sollte, überkam mich auf Aufregung. Eine Meditation, die ich die letzte Zeit gehört hatte, hörte ich extra mehrmals, damit ich etwas ähnliches machen könnte. Ein oder zwei Stunden bevor ich weg musste, dachte ich, das kann ich nie, mir fällt doch gar nicht mehr ein, was in der Meditation gesagt wurde. Daraufhin hörte ich die Meditation ein weiteres Mal und tippte den gesamten Text und druckte ihn aus.

    Als ich aus dem Haus ging, dachte ich, och bestimmt hält V. die Meditation. So kam ich ganz gelassen an, redete mit den anderen, trank Tee … Als die Meditation begann, fragte die Initiatorin V., ob er heute die Meditation leiten würde, er wollte nicht und … Für den Anfang brauchte ich meine Aufzeichnungen und dann bat ich um Unterstützung höherer Mächte und mir wurden Sätze in den Mund gelegt, die ich nie vorher so gedacht hatte. Als ich zum Ende kam, war ich erstaunt, wie weit weg einige der Teilnehmenden waren. Die Rückmeldungen waren positiv und ich hatte danach ein „Grinsen“ im Gesicht.
    Liebe Grüße
    Tanja

  10. Pingback: Liebster-Award - Ich werde etwas los! › Abenteuer Home-Office

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