Zeit-Management
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Wie du im Informationsmeer entspannt plantscht statt unterzugehen

So gehtst du mit der Informationsflut um

 

Nach meinem Webinar über RSS hat mich eine Frage erreicht:

Wie viele Blogs hast du in deinem Feedreader, Claudia?

OK, ich habe gezählt … in Newsblur sind es 97 und in Hootsuite 35 …

Eine Menge Holz bzw. Information also.

Die nächste Frage war dann:

„Wann liest du die denn alle, um Gottes Willen???“

Was mich zum heutigen Artikel bringt.

Informationsflut – Informationsmeer

Diese Begriffe tauchen immer wieder auf.

Informations-Tsunami habe ich sogar unlängst aufgeschnappt.

Finde ich persönlich fürchterlich.

Wie kann etwas so Zerstörerisches mit Informationen in Zusammenhang gebracht werden? Wir sind dem doch nicht hilflos ausgeliefert!

Da gefällt mir der Begriff Informationsmeer schon wesentlich besser.

Ich kann drin schwimmen, tauchen, mich treiben lassen, die Wellen als Spiel betrachten, die Weite und die Möglichkeiten spüren, neugierig sein, was sich unter der Oberfläche tummelt … ja, das kommt mir entgegen.

Was meinst du?

Ich lasse einmal ganz bewusst alle anderen Informationskanäle wie Social Media und eMails weg und konzentriere mich rein auf das Lesen – bzw. Verfolgen von Blogs.

Zuerst ein paar Annahmen, die ich immer wieder höre und hier widerlegen möchte.

1) Du musst alles lesen

Nein, musst du nicht. Eine wesentliche Voraussetzung, dass du in diesem Meer aus Informationen schwimmst und nicht untergehst, ist es, sinnvoll zu strukturieren, zu ordnen und zu kategorisieren.

Sonst blubb 😉

Vor ein paar Jahren, als ich mit einer Kollegin über dieses Thema gesprochen habe, hat sie mir erzählt, dass sie ihr RSS-Reader ganz fürchterlich unter Druck bringt. Denn es sei so viel – und sie hätte ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht alles lesen würde, was andere schreiben.

Das kann nicht gut gehen.

Blubb …

Wenn du das denkst, dann löse dich davon und trainiere, „Nein“ zu sagen.

Trainiere, nur zu scannen (d.h. die Überschriften zu überfliegen) und nur auf diejenigen zu klicken, die dir das versprechen, was dich anspricht. Damit ist zwar nicht gesagt, dass dieses Versprechen auch gehalten wird. Aber die Chance ist doch relativ hoch.

Und auch den Text kannst du zuerst scannen, um ihn auf dieses Versprechen zu überprüfen.

2) Du musst alles aufheben

Nein, musst du auch nicht.

Im Laufe der Zeit bekommst du ein Gespür dafür, welche/r BloggerIn worüber schreibt und wenn du Informationen zu einem bestimmten Thema suchst, bemühst du die Suche in diesen Blogs.

By the way.

Ich finde es übel, wenn die Suche auf einem Blog versteckt wird …

Vertraue darauf: es gibt keine Information, die auf Nimmerwiedersehen im Internet verschwindet.

Du wirst alles, was du brauchst, wieder finden.

3) Du verpasst etwas, wenn du nicht alles liest.

OK, das könnte sein. Es könnten Informationen an dir vorbei ziehen, die du irgendwann brauchen könntest. Aber siehe Punkt 2).

Wenn du diesen einen Artikel nämlich genau JETZT brauchst, wirst du beim Scannen auch darüber stolpern.

Jeder, der gute Inhalte produziert, setzt alles daran, dass sie wieder gefunden werden – also ist die Chance auch für dich gut, die Information nicht zu verlieren.

Gute Voraussetzungen für dich, um im Informationsmeer zu plantschen

1. Du weißt was du wofür brauchst

Damit sind wir beim großen „Warum“.

Möchtest du lernen? Die Artikel teilen und deinen eigenen LeserInnen damit etwas Gutes tun? Möchtest du unterhalten (werden)? Dir einen Experten-Status, wie es so schön heißt, aufbauen? Für deine eigenen Inhalte recherchieren?

Dieses Warum kann sich natürlich immer wieder verändern und erweitern – genauso wie die Liste der Blogs, die du verfolgst.

2. Du hast einen Plan

Wenn du also einen Plan hast, was du mit den Inhalten, die du liest und aufbewahren möchtest, vorhast, dann geht es darum, diesen Plan so umzusetzen, dass du nach einem gewissen System die Blogartikel weiter verarbeitest.

Im oben genannten Webinar habe ich kurz skizziert, was ich mit welchen Inhalten aus meinem RSS-Reader mache und wo sie „landen“:

Workflow RSS-Feed

3. Du hast Routinen und einen Arbeitsablauf

Früher habe ich auch immer mal zwischendurch in meinen RSS-Reader geschaut – und bin dann oft unkontrolliert darin hängen geblieben.

Aber es ist wichtig, dass du in Filtern denkst und auch beim Schwimmen im Informationsmeer ein Ziel hast. Das jeweilige Ziel ergibt sich aus den „Warums“, die du für dich bereits festgelegt hast.

Wenn du nicht weißt, was du willst, erzeugt das Stress. Daher sollte (vor allem zu Beginn, wenn du dich an Arbeitsabläufe herantastest) deine erste Frage an dich selbst sein:

„Warum öffne ich jetzt den RSS-Reader? Wozu brauche ich jetzt Informationen?“

Die Antwort kann natürlich auch „Entspannung, Spaß“ sein. Auch das ist ein gutes Ziel!

4. Du weißt, was für dich relevant ist.

Interessant bedeutet nicht unbedingt relevant!

Akzeptiere, dass du beim Tauchen ganz vielen Fischen begegnest, die dich vielleicht bunt anstrahlen und schön anzusehen, aber nicht unbedingt essbar – also für dich relevant – sind.

Wichtig ist (und ja, wir sind wieder beim Warum), dass du schnell erkennst, wenn etwas für dich und deine Arbeit relevant ist und dann eine schnelle Entscheidung triffst.

Ich habe für mich ein „Zwischenlager“ eingebaut, nämlich meinen Eingangsordner in Evernote. Wenn ich mir mit der Entscheidung „lesen oder löschen“ sehr schwer tue, dann landet der Artikel dort, denn dieses Notizbuch versuche ich möglichst regelmäßig zu leeren. Und spätestens dann treffe ich – sozusagen auf den zweiten Blick – die Entscheidung, was damit passieren soll.

Oft entscheide ich mich mit der Aussicht auf einen vollen Eingangsordner in Evernote übrigens doch recht schnell für „nicht lesen“ …

5. Beschränkung

Erst vor kurzem gab es im Blog einen Blick auf die Tatsache, dass Beschränkung das A und O im Selbst- und Zeitmanagement ist. Genau so hier.

Beschränke die Zeit, die du schwimmst … Das gehört in gewisser Weise auch zu den Routinen und Arbeitsabläufen. Zu Beginn habe ich geschrieben, dass ich 35 Blogs in Hootsuite verfolge. Diese Blogs sind für mich die relevantesten (für meine LeserInnen) und 2-3 Mal die Woche nehme ich mir eine halbe Stunde Zeit, um sie hier durchzusehen und das Verteilen in meinen Kanälen zu planen.

Eine halbe Stunde. Und nicht mehr.

Die Blogs in meinem RSS-Reader sind eher für mich. Also für’s Lernen und Umsetzen, dort schaue ich nur am Wochenende hinein. Da ist es nicht so schlimm, wenn ich mich auf den Wellen der Information ein wenig schaukeln lasse …

Kurz noch zu den „Haifischen“

Ja, ein paar Haifische tummeln sich natürlich auch im Meer. Aber wenn du weißt, wo ihr Revier ist, dann kannst du ja ganz einfach woanders schwimmen …

1. Nicht ins Handeln kommen

Katharina Lewald hat das in ihrem Artikel schon angesprochen.

„Nicht die vielen Informationen behindern dich.
Sondern, dass du diese nicht für dich einordnen kannst.“

Wirklich wirksame 7 Schritte, wenn kein Land in Sicht ist!

2. Ablenkung

Nicht nur die bösen Social-Media-Kanäle können dafür sorgen, dass du deinen Fokus verlierst, natürlich schaffen das auch Blogs und RSS-Feeds. Ganz klar.

Darum versuche für dich die besten Voraussetzungen zu schaffen, damit du möglichst kräftesparend schwimmst.

Ich habe gehört, Rückenschwimmen ist am wenigsten anstrengend 😉

3. Frust, weil alle anderen „besser“ sind

Dieser Haifisch umkreist mich auch immer wieder.

Es gibt so viele großartige Blogs. Es gibt so viele großartige Produkte. Es gibt …

Ja, akzeptiere die Tatsache, dass andere Selbständige auch gute Ideen haben.

Freue dich an der Farbenpracht.

Und wenn das gerade nicht geht, weil du vielleicht selbst gerade nicht gut drauf bist, dann weiche diesem Haifisch für eine Zeit lang aus.

Schließe den RSS-Reader.
Schließe Facebook.
Schließe das Mailprogramm.
Atme die salzige Meerluft ein, die das Informationsmeer hinterlässt
und genieße die Sonne, die du selbst verstrahlst!

In diesem Sinne – eine sonnige Woche wünsche ich dir!
P.S. Und bleib‘ neugierig!