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Introvertiert im Home-Office – im Gespräch mit Natalie Schnack

Es war im Herbst 2015 auf dem Inspirationscamp in Bonn, als Natalie Schnack strahlend und sprudelnd auf mich zu kam und sagte: „Stimmts, du bist introvertiert!

Mein erster Gedanke: Abwehr. Quatsch. Ich mag keine Schubladen und lass‘ mich nicht hineinquetschen.
Mein zweiter Gedanke: Mist, erwischt. 😉

Gleich vorweg: Ich mag Schubladen wirklich nicht und halte nichts davon, Menschen in gewisse Typen einzuteilen. Viel zu schnell werden diese Typisierungen verwendet, um einerseits als „Ausrede“ für die Betroffenen zu gelten und andererseits nur gewisse Seiten eines Menschen wahrzunehmen.

Ich bin davon überzeugt, dass in jedem von uns eine Mischung aus allem steckt.

Trotzdem wurde ich durch die Gespräche mit Natalie dafür sensibilisiert darüber nachzudenken, wieso ich z.B. es so sehr liebe, im Home-Office zu arbeiten. Sowohl selbständig, als auch als Angestellte. Warum das Online-Business so ideal für mich ist und ich hier wesentlich mehr „weiterbringe“, als es früher in Anstellung im externen Büro der Fall war. Warum ich zwar auf Netzwerkveranstaltungen gehe, es aber immer wieder eine Überwindung ist.

Was kommt eher introvertierten Menschen am Home-Office bzw. Online-Business entgegen?

Aktives Gestalten deiner Kommunikationsdichte

Wie viele Eindrücke und Gespräche du führst, liegt in deiner Hand (und meist deiner Kontrolle).

Ich finde z.B. eine größere Gruppe von Menschen anstrengend. Das liegt nicht daran, dass ich Menschen nicht mag. Eher, dass ich den Anspruch habe, mich auf mein Gegenüber zu fokussieren und zu konzentrieren. Und das ist bei vielen gleichzeitig einfach anstrengend. Es fällt mir schwer, mich hier treiben zu lassen.

In meinem Angestellten-Job sitze ich mit nur 3 Kollegen in einem Büro (Großraumbüro würde mich wahrscheinlich völlig überfordern) und das nur einen Tag pro Woche. Aber danach bin ich wirklich „durch“ mit meinem Bedürfnis an Kommunikation.

Ich kann sie ja nicht selbst steuern, sondern sie ist einfach da.

Rückzug

Wenn du nur dich zum Nachdenken oder zum Arbeiten brauchst, kannst du das auch nur mit dir genießen und gestalten. Natürlich gibt es immer noch genügend Kommunikations-Kanäle, aber meist hast du selbst die Wahl, sie abzudrehen oder offen zu lassen. Das heißt, wenn dir nach Rückzug und Alleinesein ist, kannst du das selbst steuern.

Sichtbarkeit

In jedem Business ist es wichtig, wahrgenommen zu werden. So natürlich auch im Online-Business. Der Vorteil für introvertierte Menschen liegt hier in meinen Augen in der Lautstärke.

Du musst nicht unbedingt am lautesten sein.

Du musst nicht auf Zuruf in der Sekunde präsent und auf dem Punkt sein. Denn online läuft eine Menge Kommunikation und Sichtbarkeit asynchron ab. Das heißt, du kannst vorher überlegen, dich vorbereiten und Lautstärke durch individuelles Auftreten oder Kontinuität ausgleichen.

Was wir noch im Interview besprochen haben:

  • Welche Strukturen ich im Laufe der Jahre entwickelt habe, um Anstellung und Selbständigkeit nicht zum Chaos werden zu lassen.
  • Warum Struktur mehr Freiheit bedeutet.
  • Warum sowohl Natalie, als auch ich für „normale“ Jobs verdorben sind.
  • Weitere Überlegungen zur optimalen Kombination von Introvertiert, Home-Office und Online-Business.
  • Warum introvertiert nicht „nicht belastbar“ bedeutet.
  • Warum die Schublade doch wichtig ist, wenn du nach deinen Bedürfnissen leben willst.

Nochmals danke Natalie für unser tolles Gespräch!

Wie geht’s dir eigentlich mit diesem Begriff „introvertiert“ – findest du dich wieder? Ich freue mich auf deine Gedanken im Kommentar!

P.S. Wenn du dich doch manchmal zu alleine im Home-Office fühlst, habe ich im verlinkten Artikel ein paar Möglichkeiten zusammengestellt, um das zu verhindern.

P.P.S. Und bleib‘ neugierig!


 

5 Kommentare

  1. Liebe Claudia,

    vielen Dank für diese wunderbare Zusammenfassung unseres Interviews! Und ja, Schubladen haben nur dann Sinn, wenn wir dadurch mehr über uns erfahren. Und so bald man nach seinen Bedürfnissen und seiner Persönlichkeit lebt und auch weiß, warum und wieso diese Bedürfnisse so da sind, braucht man auch die Schublade nicht mehr 🙂

    Herzliche Grüße von Homeoffice zu Homeoffice
    Natalie 🙂

  2. Hallo Claudia, hallo Natalie,
    vielen Dank für euer Gespräch! Ich glaube, dass ich mich noch nie bewusst mit dem Thema „Introversion“ beschäftigt habe. Spontan hätte ich gedacht, dass introvertierte Menschen sich im Home-Office weniger wohl fühlen. Eure Sicht auf das Thema hat mir eine andere Perspektive ermöglicht und mich zum Nachdenken gebracht.
    Danke für ein paar wirklich spannende Impulse!
    Liebe Grüße,
    Steffi

    • Sehr gerne, Steffi – und danke für deine Rückmeldung, das freut natürlich besonders! Und das Gespräch hatte wirklich Spaß gemacht 😉

      Liebe Grüße,
      Claudia

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