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Wenn eine Win-Win Situation keine ist …

Wenn eine Win-Win Situation keine ist

Frank Albers hat aufgerufen, sich Gedanken über das Geben und Nehmen zu machen. Mir fällt dazu eine Situation ein, in der ich erst vor kurzem selbst gesteckt bin.

Eigentlich wollte ich sogar zwei Win-Win Situationen herbeiführen, eine davon ist absolut gelungen, die andere sprichwörtlich in die Hose gegangen. Was dir auch zeigen kann, dass du nicht krampfhaft an einem Projekt festhalten solltest, wenn du bemerkst, dass du keinen Mehrwert stiftest, auch wenn du Overdelivery betreibst …

Aber von Anfang an – was sollte eine Win-Win Situation beinhalten?

Ich denke, das ist dir klar: Wenn du eine Win-Win Situation herstellen möchtest, dann solltest du etwas liefern, das deinem Gegenüber hilft und gleichzeitig dir etwas bringt, was du sonst nicht erreichen würdest.

Der Klassiker nicht nur im Online-Business: Du gibst dein Wissen kostenlos und erhältst dafür Vertrauen und in weiterer Folge darüber Kunden. Kostenloses Geben ist inzwischen aus dem Business nicht mehr wegzudenken, wie du z.B. bei Marit Alke oder im Affenblog lesen kannst.

Dieses Konstrukt ist allerdings manchmal wackelig. Nämlich dann, wenn du gibst, ohne darauf zu achten, ob dein Gegenüber 1) nimmt und 2) wirklich, wirklich etwas davon hat. Nämlich Mehrwert.

Was ist Mehrwert?

Ich würde zwei Möglichkeiten von Mehrwert so beschreiben:

  • Mehr Wert als … etwas Anderes, das du bereits gibst, oder
  • mehr Wert als … jemand Anderes gibt.

Mehr Wert beinhaltet also immer in gewisser Weise auch Overdelivery. Wieder so ein Wort, das du sicher im Netz in Zusammenhang mit deinen Angeboten gelesen hast. Es bedeutet, dass du versprichst, etwas zu geben und dann noch eine Leistung oder Inhalte dazu packst, die nicht erwartet wurden (bzw. die du nicht angekündigt hattest …).

Warum „gut gedacht“ nicht immer „gut gemacht“ bedeutet

So viel zur grundsätzlichen Begriffsdefinition. Lass‘ es mich auf meine eigene, kürzlich gemachte Erfahrung übertragen:

Ich wollte bereits seit Jahren einen Podcast starten und immer wieder waren andere, vordergründig wichtigere Projekte dazwischen gekommen. So vergingen fast drei Jahre, bis ich eingesehen hatte, dass ich wohl einen besonderen, liebevollen Tritt brauche. Sehr spontan war die Idee des Podcast-Countdowns geboren:

Ich legte das Start-Datum meines Podcasts mit Anfang August fest und du als LeserIn warst in einen kostenlosen Bereich eingeladen, in dem ich dich über jeden Schritt der letzten 6 Wochen vor dem Start informiert habe. Ich legte meine Planung, die einzelnen Produktionsschritte, jede Entscheidung und natürlich auch meine Hoppalas offen.

  • Dein Win: Ein Blick über meine Schulter und jede Menge Input für deine eigene Projekt-Planung.
  • Mein Win: Endlich das Commitment erreichen und losstarten. Denn was ich verspreche, halte ich für gewöhnlich auch 😉
  • Das Ergebnis: 254 LeserInnen haben mich in diesen 6 Wochen begleitet und das Feedback war großartig – auch darüber, was sie sich selbst aus diesen 6 Wochen für eigene Projekte mitnehmen konnten.
  • Das Fazit: Experiment gelungen, alle hatten mehr Wert davon, es war ein absolut sinnvolles Geben.

Overdelivery und so …

Übermütig wie ich manchmal bin, ging gleichzeitig ein weiteres Experiment los (das dann im Endeffekt gescheitert ist …). Die Idee war, gleichzeitig mit dem Podcast auch Videos mit dem selben Inhalt aufzunehmen. Die geplanten Wins waren:

  • Dein Win: Nicht Jede(r) möchte lesen oder Podcasts horchen, sondern lieber ein Video sehen, in dem es auch visualisierte Inhalte gibt. Es sollte also ein weiterer Kanal für dich offen sein.
  • Mein Win: Da gab es mehrere:
    1) Meine absolute Scheu vor mir in einem Video überwinden
    2) Effizientes Erstellen von wertvollen Inhalten
    3) Meinen schlummernden Youtube-Kanal beleben

Ich startete also in die Produktion, fand eine schöne Vorlage für die Videos, bereitete Folien auf, die mir auch den roten Faden für die einzelnen Podcast-Episoden gaben und nahm gleichzeitig den Podcast mit Audacity und die Präsentation mit mir im Bild mit Camtasia auf.

Das war eine ziemliche Action mit ziemlich aufwändigen Vorbereitungen … aber immer noch war ich der Meinung, damit jede Menge Mehrwert für beide Seiten zu stiften.

Nach 5 solcher Aufnahmen, dem Schneiden und wieder Ansehen der Videos beschlich mich allerdings ein eigenartiges Gefühl. Waren die Videos wirklich mehr Wert als das Audio? War der zusätzliche Aufwand wirklich gerechtfertigt? Trotzdem machte ich so weiter, bis eine Mail einer meiner Beobachter das ausdrückte, was ich in gewisser Weise schon gespürt hatte, aber nicht in Worte fassen konnte. Ich zitiere hier:

Ich wollte heute auch mal zurückmelden, wie ich zu den Videos stehe, nachdem ich das heutige Video 002 geschaut habe. Ich muss erst mal vorausschicken, dass ich schon andere Videos von Dir gesehen habe und auch an Webinaren teilgenommen habe. Für mein Gefühl hast Du das Thema optimal für ein Audio aufbereitet, soll ja so sein für einen Podcast. Ich hatte also das Gefühl, wenig visuelle Information zu bekommen, obwohl ich alle Information bekommen habe, die notwendig war, Du hast ja alles gesagt. Das liest sich jetzt vielleicht etwas wirr, ist aber genauso bei mir angekommen. Da dachte ich, dass es schade um die zusätzliche Arbeit und Zeit wäre, wenn das Video gar nicht als das ankommt was es ist, nämlich super aufbereitete Information, die einen wirklich weiterbringt. Ich habe mich eben dabei ertappt, wie ich immer noch auf einen zusätzlichen visuellen Input gewartet habe und deshalb nicht so begeistert war wie von den anderen Videos und wie ich von der Podcastfolge war, als ich nur gehört und nicht geschaut habe …

Ein absoluter Augenöffner für mich, worauf ich sofort die Produktion der Videos gestoppt habe. Und soll ich dir etwas sagen? Es war so erleichternd, hat sich so richtig angefühlt! Denn ich hatte bei diesem Geben ein paar Denkfehler …

Wo waren meine Denkfehler?

1) Behalte den Blick auf dem Mehrwert!

Wie schon geschrieben. Jeder Mehrwert soll mehr Wert beinhalten, als etwas Anderes.

Die Videos hatten zwar einen weiteren Output-Kanal, nämlich den visuellen, allerdings war einfach nicht mehr drinnen. Dazu hätte ich den visuellen Inhalt völlig anders und wesentlich aufwändiger aufbereiten müssen. Mit Screenshots, eventuell mehr und anderen Text, usw.

Außerdem schreibt die Leserin, dass sie bereits einige meiner Videos gesehen hat, ebenso bei Webinaren dabei war und eine gewisse Qualität gewohnt war. Und ja, die habe ich in diesen Videos nicht geliefert. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich „nur“ zwei Fliegen mit einer Klappe fangen wollte …

Daraus ergibt sich auch der nächste Punkt:

2) Jedes Medium braucht eine andere Aufbereitung

Hätte ich umgeschwenkt und die Folien zum Video anders, also mehrwertiger aufbereitet, wäre ich vor der Situation gestanden, im Audio auf etwas Visuelles hinzuweisen, das dann wiederum den reinen Audio-Hörer nichts gebracht, eher sogar verwirrt hätte.

Das geht einfach nicht!

Ein Text wird für’s Auge aufbereitet. So, dass die LeserInnen darüber scannen können, um entscheiden zu können, ob sie alles lesen möchten, bzw. um zurückzukehren und wichtige Passagen schnell wiederzufinden.

Ein Audio wird für’s Ohr aufbereitet. Du musst darauf achten, Bilder für das innere Auge des Hörers zu formen, ohne sie wirklich visuell vor sich zu haben. Wieder eine ganz andere Art der Konzeption.

Ein Video muss viele Reize für’s Auge bieten, damit die ZuseherInnen dabeibleiben und nicht abschweifen.

Du siehst also, jedes Medium braucht seine eigenen Inhalte, auch wenn es das selbe Thema ist.

Die Konsequenz daraus

Die war ganz einfach und eigentlich auch schnell getroffen: Fokus auf die auditive Aufbereitung, um dir mit diesem neuen Medium möglichst viel zu geben. Und auch möglichst etwas Anderes und mehr zu geben, als du bereits aus meinem Blog, den Videos auf Youtube und meinen Webinaren kennst.

Die Fakten der Inhalte dürfen sich überschneiden und wer weiß, vielleicht kann ich mir irgendwann die Zeit nehmen und zu den Podcast-Episoden auch eigene Videos drehen …

Urteile selbst!

Falls du jetzt gerne einen visuellen Beweis für das Geschriebene hättest, binde ich dir hier das im Zitat angesprochene Video ein.

Sei gnädig beim Anschauen 😉

 

Fazit

Es hat gar nicht wehgetan!

Oft ist es sehr schmerzhaft, nicht das gewünschte Feedback auf das eigene „Baby“ zu bekommen, darum mein Input für dich: Überprüfe so rasch wie möglich, ob du wirklich, wirklich Mehrwert mit deinem geliebten Projekt stiftest. Und ob dieser Mehrwert auch wirklich anerkannt und angenommen wird. Wenn nicht, dann verabschiede dich genau so rasch wieder davon. Denn es geht ums Geben und Nehmen.

Hast du dich auch schon einmal in einem Projekt „verrannt“? Wie bist du damit umgegangen? Hinterlass‘ deine eigene Geschichte im Kommentar – oder mach‘ gleich mit bei der Blogparade von Frank!

P.S. Und bleib‘ neugierig!


 

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7 Kommentare

  1. Liebe Claudia,

    wie recht du hast. In diese Falle bin ich auch schon getappt. Davor sind auch wir „Selbstmanager“ nicht gefeit. Lebenslanges lernen ist angesagt.

    PS: Dein Podcast ist natürlich auf meiner Aboliste in iTunes.

    Liebe Grüße aus Montabaur

    Frank

    • Hi Frank!

      Danke dir – ja, auch wir „Selbstmanager“ haben einen Tellerrand, über den wir gucken dürfen 😉
      Und vielen Dank, dass ich in deine Aboliste – und deine Ohren – durfte!

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Pingback: Blogparade: WIN-WIN | geben und nehmen - einfach-effektiv.de

  3. Hi Claudia,

    oja, ganz wichtiges Thema.
    Nach einigen Fehlgriffen, die ich gemacht habe, bei denen ich zwar viel Spaß hatte, jedoch an den Bedürfnissen meiner Zielgruppe vorbei geschlittert bin, stelle ich mir immer wieder die Frage:

    + Ist es gerade cool und lustig das zu machen oder wird es tatsächlich gebraucht.

    Ich muss mich da oft bremsen, weil ich schnell von einem neuen Projekt, Produkt etc. begeistert bin und loslege, ohne die wichtige Frage nach dem Mehrwert zu stellen.

    Jaja, man lernt nie aus. 🙂

    Danke für den Reminder und deine ehrlichen Einblicke.

    Alles Liebe,
    Robert

    • Sehr gerne, Robert! Manchmal darf’s ja auch einfach cool und lustig sein – wenn man’s unterbringt 😉

      Hoffe, wir sehen uns bald wieder einmal?

      Liebe Grüße,
      Claudia

  4. Hallo Claudia,

    danke für deine Erfahrungen, die du mit uns teilst. Bislang bin ich mit Win-Win noch nie auf die Nase gefallen.

    Allerdings habe ich manchmal einen großen Nutzen auf meiner Gegenseite fälschlicherweise angenommen. Drüben wurde das ganz anderes gesehen.

    Lieben Gruß,
    David

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