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Bist du ein cooler Chef für dich?

Bist du ein cooler Chef?

Was für eine Frage …

Thomas Reining hat mich zu seiner Blogparade „Die coole Führungskraft“ eingeladen – und das könnte durchaus passen, weil ich seit nunmehr 24 Jahren im gleichen Unternehmen das Glück habe, als Angestellte sehr coole Führungskräfte gehabt zu haben.

Doch daneben bin ich jetzt seit 2005 auch selbständig – und da ist sie mir eingeschossen, die Frage, die ich dir heute stellen möchte:

Bist du ein cooler Chef für dich?

Davor steht aber eine grundsätzliche Frage. Nämlich die, was das denn überhaupt ist, eine coole Führungskraft.

Da ich davon überzeugt bin, dass mein Chef, der leider vor kurzem das Unternehmen verlassen hat, eine absolut großartiger Chef war, fange ich als Antwort auf diese Frage am besten an, ihn ein bisserl zu charakterisieren.

Übrigens, lieber Hannes: ein Hoch auf dich!

Mein cooler Chef Hannes und was ihn ausgemacht hat

Ich würde es so zusammenfassen:

  • Er hat ein ausgeprägtes Interesse an Menschen.
  • Er ist total flexibel im Denken und Handeln – und zwar, ohne das Ziel (der Abteilung) aus den Augen zu verlieren.
  • Er steht zu 100% hinter seinem Team.

Dabei hatten wir so ein paar kleine Anfangsschwierigkeiten miteinander. Das hat allerdings nicht an seiner oder meiner Person gelegen, oder daran, dass ich 10 Jahre älter bin als er, sondern eher an den Aufgabengebieten. Ich wurde nach meiner Karenz zur Stabstelle des Geschäftsführers und habe mich mit ihm um die Entwicklung von internen Qualitäts-Sicherungs-Tools gekümmert. Und diese Aufgabe hätte Hannes auch sehr gut gefallen …

Und da ist sie schon, die Flexibilität und seine Liebe zum Menschen. Ich habe das NIE zu spüren bekommen! In 16 Jahren Zusammenarbeit nicht. Erst kurz vor seinem Weggang hat er mir das erzählt. Aber er hat sich das niemals anmerken lassen, hat mich in meiner Entwicklung im Unternehmen immer unterstützt und gefördert.

Natürlich hat er sich in den 16 Jahren auch weiterentwickelt und aus Fehlern gelernt. Ich erinnere mich z.B. daran, dass er – ohne mich zu fragen – auf ein bestimmtes CMS (Content Management System) gesetzt und mir dann den Auftrag gegeben hat, es umzusetzen.

Und ich hab’s gehasst! Sogar ernsthaft daran gedacht, zu kündigen. Nach Beendigung des Projektes habe ich ihm auch genau das gesagt.

Etwas später … er will eine neue Entwicklungs-Oberfläche einsetzen – und bittet mich, mir das in einem 1-Tages-Workshop anzuschauen und dann zu entscheiden, ob mir das Spaß machen könnte und wir es einsetzen sollen.

Das bedeutet, er hat sehr schnell gelernt, wie man mich motivieren kann ;-).

Sein Interesse hat auch dazu geführt, dass er meinen gesamten Weg in der und in die Selbständigkeit verfolgt und unterstützt hat. Mit tollen Gesprächen, Widerworten, Verständnis und Unverständnis. Alles davon war für mich wichtig.

Und wie cool ist das denn, wenn der eigene Chef deinen Podcast hört? 🙂

Auch mit meiner Home-Office-Situation gab es nie Schwierigkeiten. Bei jedem Anruf kam zuerst „Hast du gerade Zeit?“. Das hat mir immer Wertschätzung und Akzeptanz gezeigt. Und gleichzeitig auch das absolute Vertrauen, das er mir und meinen Kollegen entgegenbringt.

Aber zurück zum Chef in der Selbständigkeit

Du hast nun einmal keinen Chef – oder eigentlich doch! Das bist du nämlich selbst. Selbstführung ist übrigens in dem Zusammenhang der Ausdruck, der mir auch viel besser gefällt, als Selbstmanagement.

Anhand von drei Beispielen schauen wir uns an, wie du deine Rolle als dein Chef ausfüllst:

Ist dein Chef ein Perfektionist?

Stell‘ dir vor, dein Chef erteilt dir einen Auftrag und gibt dir das von dir gelieferte Ergebnis 5 Mal zurück, um es zu überarbeiten – weil es noch nicht perfekt ist. Wie würdest du das finden? Wahrscheinlich gar nicht cool.

Und doch erlebe ich in meinen Kursen und bei meinen Kunden immer wieder genau dieses Verhalten. Und ich unterstelle dir jetzt einmal, dass du das genau so tust.

  • Du musst eine eMail verfassen – und schreibst sie immer wieder um, weil sie nicht perfekt ist.
  • Du schreibst einen Blog-Artikel … und veröffentlichst ihn erst Wochen später, weil er nicht perfekt ist.
  • Du drehst das Video 5 Mal, weil du dich versprochen hast und der Schnitt doof aussieht.

Die Lösung: Denke an die 80/20-Regel! Mit 20% deines Einsatzes erreichst du 80% der Ergebnisse. Zahlt es sich wirklich aus, weitere 80% Aufwand hineinzustecken, um die Sache perfekt zu machen?

Ist dein Chef gnadenlos?

Du hängst in den Seilen. Hast jahrelang keinen längeren Urlaub mehr gemacht – höchstens ein Fortbildungswochenende – das ist doch auch schon etwas, oder? Trotzdem verlangt dein Chef immer noch mehr Einsatz von dir. Dir ist auch irgendwie klar, dass du all die Überstunden, die du bereits angesammelt hast, nicht ausbezahlt bekommst. Und Zeitausgleich? Unmöglich, bei dem Chef!

Und wie gehst du selbst mit dir um? Du schläfst schlecht, machst keine Pausen und treibst dich immer mehr an. Du lässt keine Umstände gelten, die dich etwas langsamer machen lassen. Weil „es muss …“.

Die Lösung: Mache eine Wochenplanung. Und plane zuerst die Zeit ein, die du für dich brauchst! Egal ob für Sport, Nichtstun, Pausen, schlafen oder in die Luft gucken. Die restliche Zeit darf mit Arbeit gefüllt werden. Das hilft übrigens auch fantastisch dabei, die richtigen Prioritäten zu setzen und Dinge NICHT zu tun …

Hält dein Chef dich klein?

Auch das gibt es. Ich habe es selbst Gott sei Dank bei meinen „externen“ Chefs noch nie erlebt, erzählt wird es aber oft: Der Chef hat Angst, dass du ihn überflügelst. Ihn ersetzen könntest. Und deswegen hält er dich klein. Lässt dich keine Fehler machen, um zu lernen und gibt dir ständig das Gefühl, nicht so gut wie deine Kollegen (oder er selbst) zu sein.

Damit du ja nicht auf die Idee kommst, dass du das, was du tust, ausgezeichnet machst!

Nein, das tust du natürlich nicht – oder doch?

Wie sieht es bei dir mit der Vergleichs-Falle aus? Schielst du ständig auf all die anderen erfolgreichen Menschen auf Facebook und lässt dich davon herunterziehen? Du siehst nur alles, was du noch nicht machst. Oder noch nicht kannst. Und übersiehst völlig deine bisherige Reise und deine Lernerfolge! Fehler möchtest du auch nicht machen (siehe Perfektionismus) – dadurch lernst du aber nichts!

Die Lösung: Mach‘ zumindest einen Wochenrückblick! Täglich darauf zu schauen, was du geschafft hast und wofür du dir auf die Schulter klopfen könntest, wäre noch besser – aber wir wollen ja nicht dem Perfektionismus verfallen ;-).

By the way – Das ist immer ein ganz besonderer Moment, wenn wir beim Virtuellen CoWorking (findet im August in meiner Facebook-Gruppe statt) erzählen, was wir gemacht haben und uns dabei auf beide Schultern klopfen!

Also: Bist du ein cooler Chef für dich selbst?

Hand aufs Herz. Wenn du als Angestellter solche Chefs hättest, würdest du sicher nicht lange in diesem Unternehmen bleiben.

Sicher habe ich bei den Beispielen überzeichnet – aber ein Funken Wahrheit steckt darin. Unterm Strich kümmert sich in der Selbständigkeit und im Home-Office niemand um dich – außer du bist eine coole Führungskraft für dich selbst!

Und was tust du für deine gute Selbstführung? Gib‘ mir doch ein positives Beispiel im Kommentar – damit wir von einander lernen!

P.S. Und bleib‘ neugierig!


 

8 Kommentare

  1. Ah, danke, Claudia, der Artikel kommt genau zur richtigen Zeit. Ich habe mein inneres Team mal Revue passieren lassen. Meine innere Buchhalterin ist ja öfters mal angespannt, dann klopft ihr die Chefin anerkennend auf die Schultern für ihre super Präsenz, gibt ihr dafür ein paar Tage frei und dann kommt sie entspannt zurück und kümmert sich gewissenhaft um die Zahlen. Sie legt ja gar keinen Wert auf viel Freizeit, aber wenn sie es übertreibt mit kalkulatorischen Zwischenrufen, muss sie sogar Zwangsurlaub nehmen.

    Ich will damit sagen, wenn ein innerer schwieriger Teil überhand bekommt, lege ich ganz bewusst einen Zeitrahmen fest, wie lange ich ohne dieses drängen arbeite und das funktioniert gelegentlich ganz gut.

    • Liebe Doris,

      das ist auch eine super Idee – ohne drängen arbeiten … Solche Flow-Tage lege ich auch immer wieder einmal gerne ein, allerdings sicher zu selten – danke für die Erinnerung!

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Danke, liebe Claudia,
    für Deinen aufmunternden inspirierenden Artikel!
    Vieles hat mir aus dem Herzen gesprochen: die „Schulterklopf-Methode“ ist auch ein stärkendes Tagesritual meiner 60 Impulskarten „Kraftvoll durch den Tag“, die mir und meinen KlientInnen nach jeder abgeschlossenen Aktivität hilft, einen Moment innezuhalten, gut durchzuatmen, das Erledigte oder „Durchgestandene“ zu würdigen, sich auf die Schulter zu klopfen und dann erfrischt und guten Mutes auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren ;-).
    Gerade für Solopreneure finde ich es so wichtig, sich selbst immer wieder zu stärken und in einen guten energetischen Zustand zu versetzen, um sich im komplexen Alltag auf das wirklich Wesentliche zu fokussieren statt sich im Aktionismus zu verzetteln. Dafür finde ich zentrierende 3 bis 90-Sekunden-Pausen mehrmals am Tag so wichtig, um den Kopf frei zu bekommen, in einer guten Energie zu bleiben und sich nicht zu erschöpfen. Deshalb finde ich auch Deinen Tipp super, im Terminkalender Zeiten für sich fest zu installieren 😉 Herzlichst Ulrike

    • Hallo, liebe Ulrike!

      Ja, manchmal sind es die vermeintlich ganz einfachen Dinge wie Schulterklopfen, die helfen! Da müssen wir gar nicht weit gucken 🙂

      Danke für deine Zeilen,
      liebe Grüße,
      Claudia

  3. Hi Claudia,
    es freut mich sehr für dich, dass du so einen tollen Chef hattest. Ich wünsche dir von Herzen weiterhin so gute Zusammenarbeit mit deinen Chefs und deinen Kollegen.

    Wichtig finde ich, dass man je nach Situation verschiedene Führungstile anwenden kann und auch auf die Person individuell eingeht. Es ist ein Führungsteam. So sollte es auch beim Selbständigen sein.

    Bleib zufrieden und genieß dein Leben!
    Silvia

    • Hallo Silvia!

      Ja, du sagst es – aber das ist auf den ersten Blick natürlich auch die „anstrengendste“ Methode, auf die Menschen individuell einzugehen. Absichtlich „auf den ersten Blick“. Denn wenn das funktioniert, wird’s in meinen Augen erst ein Team!

      Liebe Grüße,
      Claudia

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