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Die Rechtfertigungs-Falle im Home-Office

Home-Office Rechtfertigungsfalle

Ganz egal, ob du selbständig oder angestellt im Home-Office arbeitest, diese Sprüche kennst du vielleicht:

  • „Wann arbeitest du wieder richtig?“
  • „Arbeitest du heute, oder bist du zu Hause?“
  • „Dein Leben möchte ich haben … den ganzen Tag zu Hause und nix tun.“

Es gibt sie in allen Lebenslagen, diese dummen Sprüche:

  • Wenn du Kinder hast und berufstätig bist. („Wozu hast du dann Kinder bekommen?„)
  • Wenn du keine Kinder hast („Wer zahlt einmal deine Pension?„)
  • Wenn du viele Kinder hast („Sonst kein Hobby?„)
  • Wenn du viel arbeitest („Das ist doch kein Leben!„)
  • Wenn du wenig arbeitest („Na wenn du dir das leisten kannst …„)
  • Wenn du selbständig bist („Was, dafür zahlt jemand?„)
  • Wenn du LehrerIn bist („Dir geht’s gut, so viel Freizeit!„)
  • Liste unendlich erweiterbar …

Hier kannst du ins Abenteuer hineinhorchen!

Danke fürs Zuhören!

Bitte unterstütze mich dabei, den Podcast bekannter zu machen, indem du auf iTunes eine Rezension und/oder eine Bewertung hinterlässt! Hier zeige ich dir genau, wie’s geht.

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Du siehst: Egal, was du machst – oder nicht machst – es ist nicht richtig.

Korrektur: Es ist nicht richtig für alle

Inzwischen kratzt es mich nicht mehr, sollte ich solche Sprüche zu hören bekommen. Das war aber nicht immer so, das muss ich schon zugeben.

Das und eine Diskussion darüber in meiner Facebook-Gruppe bringt mich auch dazu, einmal darüber nachzudenken, was sich in den 20 Jahren meiner Home-Office-Karriere verändert hat. Denn zu Beginn und mitten drin war ich auch darin gefangen – in der Rechtfertigungsfalle.

Und keine Angst, wenn du dich jetzt noch über diese Aussagen ärgerst oder kränkst. Du wirst keine 20 Jahre brauchen, um das zu verändern 😉

Woher kommt der „Angriff“?

Auch aus eigener Erfahrung denke ich, dass solche Sprüche besonders schmerzen, wenn sie aus der unmittelbaren Umgebung, vielleicht auch aus der Familie kommen. Das ist der Bereich, der dir besonders wichtig ist. Das sind die Menschen, die du „auf deiner Seite“ siehst, deren Anerkennung und Akzeptanz dir besonders viel bedeuten.

Doch oft höre ich auch, dass es ärgert und wütend macht, wenn das von ehemaligen ArbeitskollegInnen, Bekannten oder z.B. den Müttern/Vätern von Schulkollegen oder Kindergartenfreunden der eigenen Kindern kommt.

Kommt diese Frage aus dem engsten Kreis, stehen meist andere Motive dahinter, als aus weiter entfernten Kreisen, aber das schauen wir uns später noch an.

Ist es überhaupt ein „Angriff“?

Ja, auch der Ton macht die Musik.

Und natürlich können solche dummen Sprüche sofort als Angriff gewertet werden.

Wenn du dich angreifbar fühlst.

Denn damit machst du dich auch angreifbar. Das Gegenüber spürt sofort, wenn du selbst dir nicht sicher bist. Über den Wert deiner Arbeit, über deine Außenwirkung oder auch über deinen „Erfolg“ mit dem, was du tust.

Was möchtest du mit einer Antwort darauf bezwecken?

Was ist der erste Impuls in dir, wenn du hörst: „Du hast ein Leben wie ein junger Hund!„?

Ich schätze, dein üblicher Tagesablauf zieht an deinem inneren Auge an dir vorbei. Die Zerrissenheit, die du oft spürst, wenn du nicht weißt, was du zuerst anpacken sollst. Die Anstrengung, im Home-Office auszublenden, was rund um dich an Chaos noch nach der „Arbeit“ wartet. Das schlechte Gewissen deinen Kindern gegenüber, wenn du versuchst, nebenbei auch noch deine Arbeit hinzubekommen. Der generelle Kampf gegen viele Windmühlen, die sich im Home-Office drehen.

– Du willst erzählen?

In einer Blogparade wurde von vielen festgestellt, dass es ein einsames Arbeiten ist.

Der Klatsch in der Kaffeeküche mit den KollegInnen wurde am meisten vermisst. Allerdings nur in der Kaffeeküche, sonst eher nicht ;-).

Worauf ich hinaus will:

Möchtest du gefragt werden, wie es dir im Home-Office geht? Was du so den ganzen Tag machst, worüber du dich freust, woran du Spaß hast? Wenn du mit dieser Erwartungshaltung in einem Gespräch bist, tut ein Angriff wie oben beschrieben weh. Das ist klar.

Was würde passieren, wenn du darauf mit einer kleinen, positiven Story aus deinem Alltag antworten würdest?

– Du willst erklären?

Der Mensch ist ein Rudeltier.

Anerkennung ist eine der höchst erstrebenswerten Emotionen, die uns geschenkt werden kann! Anerkannt kann aber nur etwas werden, das dem Gegenüber bekannt ist. So ist es sehr verständlich, dass du z.B. deiner Familie gerne erklären möchtest, was du genau tust.

Beginne nicht erst bei so einem Angriff zu erklären, was du tust! Immer wieder einmal eine kleine Portion weitergegeben an das Gegenüber, kann Wunder wirken – und Angriffe im Keim ersticken.

– Du willst dich rechtfertigen?

Ich bin es leid, mich immer rechtfertigen zu müssen …

Musst du?

Freund Duden wirft folgende Synonyme aus, wenn du den Begriff „Rechtfertigung“ eingibst:

Alibi, Ausrede, Begründung, Ehrenrettung, Entlastung, Entschuldigung, Verteidigung, Vorwand

Autsch.

Wofür zum Kuckuck sollte das gut sein? Wofür solltest du eine Entschuldigung vorbringen müssen/sollen/wollen?

  • Dass du dir mit deiner Arbeit einen Traum erfüllt hast?
  • Dass du zu Hause arbeitest, um deine Kinder betreuen zu können?
  • Dass du keine andere Möglichkeit gesehen hast?
  • Dass du tust was du tust?
  • Dass du so lebst, wie du möchtest?

Ganz eindeutig nein.

Keine Rechtfertigung!

Punkt.

Warum Rechtfertigungen nicht funktionieren

Egal ob dein Gegenüber die Synonyme dafür bewusst kennt oder nicht. Das Gefühl, dass sich jemand rechtfertigt löst schon innere Alarmglocken aus.

  • Der ist nicht echt
  • Da stimmt etwas nicht
  • Die lügt doch

Ich spiele den Ball an dich zurück, wenn du das Gefühl hast, dich für dein Home-Office oder deine Selbständigkeit rechtfertigen zu müssen:

  • Wie überzeugt bist du selbst von dem was du tust?
  • Wie überzeugt bist du von deiner eigenen Leistung?
  • Wie überzeugt bist du von deinem Erfolg (egal wie du ihn definierst)?
  • Wie sehr schätzt du deine Arbeit?
  • Wie wichtig bist du für dich selbst?
  • Ist dein Home-Office etwas, das du liebst, oder würdest du lieber wieder extern arbeiten?
  • Wie commitet bist du?

Jeder Zweifel und jede Unsicherheit kommt auch in deiner Umgebung an – und reizt zum Nachfragen. Ganz ohne Hintergedanken.

Meine Universalwaffe

„Wie meinst du das genau?“

Dieser Satz kann ein ziemlicher Stopper sein. Das hängt auch stark mit dem Tonfall zusammen, mit dem du ihn verwendest.

Ich finde diese Frage sehr praktisch, weil sich dadurch das Motiv für den „Angriff“ erkennen lässt.

Ist es nämlich wirklich nur eine plumpe Anmache, dann darf er gerne als Stopper funktionieren, denn dann möchte ich mich nicht darauf einlassen.

Ist es aber „patschertes“ (= ungeschicktes) Fragen, dann gibt diese Nachfrage durchaus Gelegenheit, das Gespräch in eine interessante Unterhaltung zu drehen.

Es ist für mich also eine Möglichkeit, das Motiv hinter dem „dummen Spruch“ zu ergründen.

Was können die Motive für diese Sprüche sein?

– Sorge

Ich gehe prinzipiell vom Besten aus. Naiv? Vielleicht.

Aber überleg‘ einmal: du tust etwas ganz anders als die meisten rundherum. Das macht eventuell deinem Gegenüber Angst. Weil es nicht einschätzbar, nicht nachvollziehbar ist. Somit kann Sorge um dein Wohlergehen dahinter stecken.

Sorge darüber, dass du dir zu viel zumutest. Krank wirst, im Alter ohne Absicherung dastehst – und alles, worüber „man“ sich noch so Sorgen machen kann.

Was mich gleich zum nächsten möglichen Motiv bringt:

– Bilder im Kopf

Je nachdem, wie du aufgewachsen bist und wie deine Eltern und Großeltern ihr Geld verdient haben. Je nachdem, wie sie mit Arbeit und Freizeit umgegangen sind.

War arbeiten immer nur etwas, um das Geld nach Hause zu bringen und die Familie zu ernähren? War es immer mit den Attributen „anstrengend, ärgerlich, mühsam, notwendiges Übel“ garniert?

Oder hattest du – so wie ich z.B. – das Glück mit Eltern aufgewachsen zu sein, die mit Leib und Seele ein eigenes Geschäft betrieben haben?

Dementsprechend haben sich Bilder im Kopf gebildet, in die wir das, was wir hören, gerne einordnen möchten. Eigentlich sogar einordnen müssen, um nicht die Orientierung in unserem Weltbild zu verlieren.

Mit deiner Art im Home-Office und/oder selbständig zu arbeiten sprengst du höchstwahrscheinlich alle vorhandenen Bilder. Nicht nur die deiner Eltern-Generation, auch Kinder bekommen in der Schule und durch die Familien ihrer Freunde ein anderes Bild von Arbeit.

Das soll keine Entschuldigung für doofe Sprüche sein. Aber in dem Moment, in dem du für dich mehrere Möglichkeiten hast, das einzuordnen (in DEINE Bilder zu sortieren), nimmt das Emotionen raus. Und das entspannt definitiv.

– Neugierde und Interesse

Ja, OK. Interesse könnte man besser ausdrücken als in den Beispielen, die ich am Anfang des Artikels gebracht habe. Trotzdem kommt es vor, dass durch Nachfragen „Wie meinst du das genau“ tolle Gespräche werden.

– Neid

Zuletzt die Neider. Diejenigen, die gerne auch im Home-Office arbeiten würden. Die gerne mehr Selbstbestimmung in ihrem Leben hätten und nicht wissen, wie sie es erreichen sollen.

Neid heißt nicht Missgunst!

Vielleicht hilft dir dieser Gedanke auch dabei, etwas weniger emotional zu reagieren.

Und nun? Nach 20 Jahren?

Ich schätze, es hat nichts damit zu tun, dass ich schon so lange im Home-Office arbeite. Bis heute weiß ich nicht, was sich meine Nachbarn und meine Post-Frau denken, dass ich fast immer zu Hause bin und ich denke meine Schwiegereltern wissen auch nicht genau, was ich tue 😉

Mein Mindset, meine Einstellung zu meiner Arbeit hat sich verändert.

Meine Selbständigkeit ist kein „Nebenbei“.
Mein 20-Stunden-Job ist kein „Nebenbei“.

Ich arbeite. Punkt!

Zuletzt die Frage an dich: Wie gehst du mit diesen Sprüchen und Fragen um? Hörst du so etwas überhaupt oder ist es etwas völlig Neues für dich? Schreib‘ mir doch bitte im Kommentar deine besten Strategien, um damit umzugehen – oder ganz zu vermeiden.

P.S. Und bleib‘ neugierig!


9 Kommentare

  1. Tanja Kallweit sagt

    Liebe Claudia,

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ja, auch ich kenne diese Sprüche oder Blicke, die unterstellen, dass ich untätig wäre, nur weil ich zu normalen Arbeitnehmerzeiten zu Hause bin. Nachbar-Tratsch ist mir kein Fremdwort. Für mich halte ich es so: Mir ist egal was andere von mir denken, denn ich kann es sowieso und will es auch nicht jedem recht machen. Wichtig ist, dass ich mir mit erhobenem Haupt sagen kann, dass ich in meinem Business erfolgreich bin und meine kleine Familie zu und hinter mir steht.

    Viele Grüße- Mach weiter so- Dein Blog gefällt mir sehr gut.

    Tanja

    • Liebe Tanja,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Egal wie Erfolg definiert wird – ihn zu spüren, nicht kleinzureden und dann den Kopf oben zu halten, das ist wichtig, da hast du ganz Recht …

      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Liebe Claudia,

    das ist genau mein Artikel. Ich fühle mich ständig in dieser Rechtfertigungsfalle: Meiner Familie gegenüber, meinen Eltern gegenüber (Wann arbeitest du denn mal was Richtiges? – O-Ton meine Mutter), meinen Kunden und Schülern gegenüber. Ja, und auch mir selbst gegenüber. Ich arbeite so gerne (nicht mit allen Kunden, nicht alle Arbeiten natürlich), dass ich vieles nicht als Arbeit wahrnehme. Wenn ich dann sehe, was andere alles können, wird mir manchmal ganz flau im Magen und ich denke mir: Und ich, ich kann nur Sprachen.

    Aber vielleicht sollte ich mich auch mal hinsetzen und eine Liste schreiben, was ich noch alles kann. Vielleicht kann ich dann ein bisschen selbstbewusster auftreten.

    Gut, dass ich meine Mastermindgruppe habe, die hilft mir dabei sehr und rückt mein Selbstbild manchmal ein bisschen gerade.

    Viele Grüße
    Christine

    • Liebe Christine,

      „nur Sprachen“!!! Das stimmt doch überhaupt nicht! Wenn ich nur an deine strukturierte Herangehensweise, deine Bibliothek, deine Artikel und deine Freude beim Lehren denke … ja, so eine Liste würde dir sicher gut tun … Und für deine Familie und dich selbst, hast du dir hoffentlich etwas mitgenommen aus diesem Artikel. Arbeit darf übrigens Spaß machen … und Spaß darf Einkommen bringen.

      Danke für deine ehrlichen Zeilen!
      Liebe Grüße,
      Claudia

  3. Hannes sagt

    Hallo liebe Claudia,

    heute bin ich über Deinen Blog gestolpert und habe Ihn mit großem Interesse gelesen.
    Vielen Dank für Deine Tips im Umgang mit Vorwürfen dieser Art. Wie so oft liegt die Lösung bei einem selber. Wieder zeigt sich, dass gesunde Einstellung zu sich selbst und eine Portion Humor, sowie ein gutes Verständnis darüber wo beim Gegenüber die Motivation für solche Fragen liegen könnte weiter.

    ganz liebe Grüße

    Hannes

  4. Ich kenne solche Sprüche gar nicht, ich glaube ich bin von sehr höflichen und toleranten Menschen umgeben 🙂 Viellicht kam mal ein blöder Spruch von wegen Pension als ich mit 35 Jahren noch immer keine Kindesgelüste hatte, aber das ging wohl an mir vorbei, ich schwinge nicht auf dieser Welle.
    Was ich beruflich tue, wissen meine Eltern nicht genau, das ist mir egal und manche Freunde wissen es auch nicht oder sind zu höflich, um verwundert zu fragen, ob dafür jemand bezahlt … So what, ich mag sie trotzdem 🙂

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