Lass uns ein Gedanken-Experiment machen. Denn Aufschieberitis wird mir sehr oft als größte Herausforderung von Selbständigen im Home-Office genannt.
Daher: Was würde passieren, wenn …
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Darum geht's hier:
Wenn du aktiv aufschieben würdest
Aktives Aufschieben bedeutet, dass du eine Aufgabe bewusst und strategisch verschiebst, statt sie aus Überforderung, Angst oder Bequemlichkeit zu vermeiden.
Es ist also eigentlich das Gegenteil von klassischer Prokrastination.
Aktiv aufschieben bedeutet also:
- Du erkennst, dass eine Aufgabe jetzt nicht sinnvoll ist.
- Du entscheidest dich bewusst, sie später zu erledigen.
- Du planst sie konkret neu ein (Datum, Uhrzeit).
- Du akzeptierst die Konsequenzen dieser Entscheidung.
Ein klassisches Beispiel:
Du willst ein neues Angebot konzipieren, merkst aber, dass diese Woche strategische Kundentermine Vorrang haben. Statt halbherzig zu starten, planst du die Konzeptarbeit gezielt in zwei Wochen ein – mit Zeitblock selbstverständlich.
Das ist aktives Aufschieben.
Du siehst schon, es passiert gar nichts Schlimmes, im Gegenteil, du nutzt deine Energie und deinen Mindstatus optimaler aus. Trau dich also, aktiv aufzuschieben, auch wenn deine Wochenplanung etwas anderes von dir erwartet ;-)
Wenn sich deine KundInnen daran gewöhnen
Man glaubt es kaum, aber es gibt die Möglichkeit, dass sich deine KundInnen daran gewöhnen, dass du oft zu spät dran bist. Sie kalkulieren das dann ein.
So ähnlich wie das mein Chef in meiner Anstellung gemacht hat, wenn ich schätzen sollte, wie viele Manntage ich für die Programmierung brauchen würde. Er hat immer verdoppelt …
Die Frage ist: Wie wirkt sich diese Gewöhnung auf dich und deine Marke aus?
Wenn sich deine KundInnen daran gewöhnen, dass du verschiebst, entsteht kein Gefühl, dass das eine Ausnahme ist, sondern es wird zu einem Muster, wie du wahrgenommen wirst.
Das kann dazu führen, dass du ihr Vertrauen verlierst, oder Probleme mit deiner Positionierung bekommst.
Nehmen wir einmal meine eigene Positionierung als Beispiel:
Ich stehe für Struktur, Planung oder Professionalität, aber wenn ich selbst regelmäßig aufschieben würde, entstünde mit Sicherheit unterschwellige Irritation bei meinen KundInnen.
Natürlich kann das wirtschaftliche Konsequenzen für dich haben, aber ich finde noch schlimmer, was das mit dir macht:
Es untergräbt
- Dein Selbstvertrauen
- Deine Entscheidungsstärke
- Deine innere Autorität
Und das spüren KundInnen sehr schnell.
Wenn du es akzeptieren würdest
Wenn du dich daran gewöhnst, immer wieder aufzuschieben, passiert innerlich mehr, als du auf den ersten Blick denkst. Einen Punkt möchte ich aber herausstreichen, einfach, weil er einen Rattenschwanz an Problemen mit sich bringt.
Wenn du akzeptierst, dass du immer wieder prokrastinierst, dann „gelten“ Termine, die du mit dir vereinbarst, nicht!
Dann kannst du noch so oft eine Wochenplanung oder Projektplanung machen, du weißt in dem Moment schon, dass du sie eh nicht einhalten wirst.
Du sendest also an dich selbst die Botschaft:
„Meine eigenen Termine sind verhandelbar.“
Aufgeschobene Aufgaben verschwinden nicht. Sie bleiben als „offene Schleifen“ im Kopf. Es gibt sogar einen Ausdruck dafür, nämlich den Zeigarnik-Effekt.
Je öfter du also aufschiebst, desto normaler wird es. Dein Gehirn lernt, dass es keine unmittelbar spürbaren Konsequenzen gibt. Im Gegenteil, es fühlt sich sogar (kurzfristig) gut an.
Dein Mental Load steigt.
Wenn du etwas früher machst, als notwendig
Puh, endlich einmal etwas Positives. Und das hat sehr wohl etwas mit Aufschieben zu tun.
Du darfst nämlich aufschieben.
Wenn du früh genug damit anfängst!
Ich lasse keine Aufgabe dringend werden.
Und das bedeutet, dass ich bewusst plane und vorausschauend arbeite. Ich setze mir selbst Deadlines, bevor die offiziellen Deadlines überhaupt in Sicht sind.
Klingt einfach? Es ist einfach, erfordert aber etwas Übung und Konsequenz.
Wie das funktioniert, habe ich im Blogartikel Warum „Nichts darf dringend werden“ mein Erfolgsrezept ist sehr genau beleuchtet. Lies rein!
Wenn du nie wieder aufschieben würdest
Ich gebe zu, das ist eine rhetorische Frage – aber vielleicht doch spannend, wenn du sie dir stellst.
Klar ist, du würdest deine Selbstwirksamkeit stärken, du hättest wahrscheinlich sogar klarere Strukturen in deiner Arbeit und deinem Business und du hättest weniger mental belastende Altlasten.
Aber, leider würde dadurch nicht alles „magisch besser“ werden.
Dein Umsatz steigt nicht automatisch, nur weil du alles rechtzeitig erledigst, und auch deine Kreativität lässt sich nicht anschnipsen wie ein Lichtschalter. Dazu braucht es Zeit.
Auch gute Entscheidungen brauchen Zeit und ein gutes Maß an Reflexion. Ach ja, und Druck tut ihnen auch nicht gut.
Es könnte sogar ins Gegenteil umschlagen:
- Es besteht das Risiko, dass du in Aktionismus verfällst. Das heißt, dass du auf jede Idee sofort aufspringst oder Projekte startest, die noch nicht reif dazu sind (und du auch nicht). Denn Aufschieberitis ist manchmal auch einfach ein Schutz vor Überaktivität.
- Manche Dinge brauchen Abstand: größere Investitionen, ein Blogartikel, den du reifen lassen möchtest, ein neues Produkt.
- Und vor allem: Du erhöhst dadurch den Druck auf dein gesamtes System! Das müsste dann ganz klare Prioritäten und eine saubere Planung beinhalten. Sonst entsteht Überlastung statt Produktivität.
Fazit
Nicht das Aufschieben selbst ist das Problem.
Problematisch ist, wenn du unbewusst aufschiebst (siehe den ersten Punkt hier im Artikel) oder wenn du dich von deinen Emotionen dazu treiben lässt.
Vielleicht helfen dir diese 3 Fragen, leichter zu entscheiden, ob du sinnlos prokrastinierst:
Beantworte spontan:
- Weiß ich genau, warum ich verschiebe?
- Weiß ich genau, wann ich es mache?
- Habe ich es konkret eingeplant?
Wenn eine dieser Fragen mit „Nein“ beantwortet wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du deinen Impuls, jetzt aufzuschieben, hinterfragen solltest.
PS: Und nicht vergessen: Bleib neugierig!

