Fokus. Klingt jetzt nicht unbedingt wahnsinnig sexy und ist für mich manchmal so ein typischer Begriff, der im Zusammenhang mit Selbstmanagement ständig verwendet wird.
Du musst fokussierter arbeiten. Du musst deinen Fokus halten. Du musst dich konzentrieren. Ja eh. Aber was bedeutet Fokus eigentlich wirklich – und warum helfen all die wunderbaren Tipps zum fokussierten Arbeiten manchmal trotzdem nicht?
Wenn ich an Fokus denke, habe ich sofort ein Bild aus meiner Vergangenheit im Kopf. Meine Tochter sitzt vor vielen Jahren mit mir am Küchentisch und soll Hausübung machen. Betonung auf „soll“. Denn ihr Blick schweift überallhin, nur nicht dorthin, wo er hinschweifen sollte. Dazwischen muss sie mir fünf Dinge erzählen und sechs Dinge zeigen. Und irgendwann kommt natürlich von mir der klassische Satz: „Jetzt konzentrier dich doch endlich! Bleib doch endlich bei dem, was du gerade tust!“
Hat nicht viel gebracht. Zumindest bei ihr nicht.
Darum geht's hier:
Fokus klingt verdächtig oft nach Langeweile
Wenn wir jemanden auffordern, sich zu konzentrieren, schwingt meistens noch einiges mit: Mach nur eines nach dem anderen. Schau nicht nach links und nicht nach rechts. Setz die Scheuklappen auf und schau, dass du endlich fertig wirst.
Und ganz ehrlich: Das klingt auch ein bisschen nach Langeweile. Schau nur auf dieses eine Ding und lass dich von nichts anderem ablenken. Vielleicht hat meine Tochter das damals genauso empfunden. Und vielleicht geht es dir manchmal auch so.
Natürlich haben diese Scheuklappen etwas Positives. Die Herausforderung ist gerade für uns Selbstständige im Homeoffice allerdings, dass wir sie nicht den ganzen Tag tragen können. Wir brauchen nämlich genauso den weiten Blick. Wir müssen beobachten: Was tut sich rundherum? Was funktioniert? Was verändert sich? Wo gibt es neue Möglichkeiten?
Wir brauchen Input und neue Ideen.
Fokus bedeutet für mich deshalb nicht, den ganzen Tag mit Scheuklappen herumzulaufen. Vielleicht hilft dir eher dieses Bild: Du setzt die Scheuklappen ganz bewusst zu bestimmten Gelegenheiten auf und legst sie danach wieder ab. Fast wie ein Schmuckstück. Wenn du dich auf eine Sache konzentrieren möchtest, setzt du sie auf. Wenn du wieder beobachten, entdecken und neugierig sein möchtest, legst du sie ab und machst deinen Blick weit.
Denn beides ist wichtig.
Danke fürs Zuhören!
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Tolle Tipps für fokussiertes Arbeiten?
Wenn du arbeitest, sind Konzentration und zielgerichtetes Arbeiten natürlich enorm hilfreich. Sie sparen dir Zeit und ziemlich sicher auch Energie. Und Tipps dafür gibt es wirklich mehr als genug:
- Facebook und Co. ausschalten,
- das E-Mail-Programm schließen,
- Nein sagen,
- Zufälligkeiten möglichst vermeiden,
- Ziele setzen,
- nicht multitasken,
- den Schreibtisch aufräumen,
- mit der Pomodoro-Technik arbeiten oder
- Tools verwenden, mit denen du dich selbst von bestimmten Websites oder gleich vom gesamten Internet aussperrst.
Alles gute Tipps.
Zum Multitasking fällt mir übrigens immer wieder ein Spruch aus Ungarn ein:
Wer zwei Hasen jagt, erwischt keinen.
Ich finde dieses Bild großartig. Wenn du also zumindest einen Hasen erwischen möchtest, versuch lieber, zwei hintereinander zu erwischen, statt zwei, drei oder vieren gleichzeitig nachzulaufen.
Warum helfen all diese Fokus-Tipps trotzdem oft nicht?
Genau das finde ich spannend. Viele meiner Kundinnen und Kunden wissen ebenfalls ganz genau, wie sie sich besser organisieren oder konzentrierter arbeiten könnten.
Und trotzdem funktioniert es nicht.
Meine Theorie: Der Boden für diese Techniken ist noch gar nicht vorbereitet.
Du kannst dir die großartigsten Methoden heraussuchen. Wenn du innerlich noch gar nicht bereit dafür bist, werden sie sich immer wie zusätzlicher Druck anfühlen. Dann ist da ein „Ich muss jetzt konzentriert arbeiten„, ein „Ich darf jetzt nicht auf Facebook schauen„, ein „Ich muss Pomodoro machen„.
Ein Muss statt eines Möchte.
Und du weißt wahrscheinlich selbst: Wenn wir etwas nur tun, weil wir das Gefühl haben, es tun zu müssen, klappt es erstaunlich oft nicht besonders gut.
Die interessantere Frage lautet deshalb für mich: Wie bereitest du den Boden dafür vor, dass Fokus überhaupt funktionieren kann?
Planung und Ziele sind das Fundament für Fokus
Eigentlich ist es ziemlich logisch. In dem Moment, in dem du weißt, warum du etwas machst, also ein Ziel hast, und planst, wie du dort hinkommst, also die einzelnen Schritte kennst, macht es plötzlich Sinn, dich auf etwas zu konzentrieren.
Dann fühlt sich Planung vielleicht auch nicht mehr so sehr wie ein einengendes Korsett an.
Wenn ich noch einmal an meine Tochter und ihre Hausübung zurückdenke, wird mir dieser Zusammenhang ziemlich deutlich. Ich glaube nicht, dass ich ihr damals erklärt habe, warum sie diese Aufgabe eigentlich machen sollte und welches Ziel dahintersteckt. Ich bezweifle auch, dass die Lehrer das besonders ausführlich getan haben. Und Planung bestand wahrscheinlich hauptsächlich aus: „Du musst heute fertig werden.“
Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen dafür, begeistert den Fokus zu halten.
Du kannst nämlich unglaublich fokussiert irgendwelche administrativen Tätigkeiten erledigen oder dich konzentriert mit etwas beschäftigen. Das bedeutet noch lange nicht, dass du dadurch deinem Ziel näherkommst.
Fokus ohne Richtung macht dich vielleicht beschäftigt, aber nicht automatisch produktiv.
Fokus bedeutet immer auch Beschränkung
Und damit sind wir bei einem Begriff, der für mich ganz eng mit Fokus, Zielen und Planung verbunden ist: Beschränkung.
Das klingt zunächst einmal nicht besonders attraktiv. Aber genau darum geht es.
- Wenn du zu einer Sache Ja sagst, musst du höchstwahrscheinlich zu einer anderen Nein sagen.
- Wenn du dich auf eine Aufgabe konzentrierst, kannst du nicht gleichzeitig fünf andere erledigen.
- Wenn du ein Projekt priorisierst, bekommen andere Projekte weniger Aufmerksamkeit.
Diese Beschränkung auszuhalten, fällt uns allerdings erstaunlich schwer.
Vielleicht liegt es auch an einigen Vorstellungen, mit denen wir ständig konfrontiert werden. Drei davon finde ich besonders spannend.
„Alles ist möglich“ – aber nicht alles gleichzeitig
Den Satz „Alles ist möglich“ würde ich prinzipiell sogar unterschreiben. Allerdings innerhalb meines Horizonts und meiner Möglichkeiten.
Ich kann mir durchaus vorstellen, mit 70 noch ein Studium zu beginnen. Warum nicht? Ich kann wahrscheinlich auch in höherem Alter noch so trainieren, dass ich einen Marathon laufen könnte, wenn ich das unbedingt möchte. Ob ich es noch auf den Mars schaffen werde, bezweifle ich dagegen eher. Und einen internationalen Konzern möchte ich vermutlich auch nicht mehr aufbauen.
Das entscheidende Wort ist ohnehin „möchte“.
Denn selbst wenn unglaublich viel möglich ist: Nicht alles ist gleichzeitig möglich. Und meistens auch nicht sofort.
Genau dieses „alles jetzt und alles gleichzeitig“ macht es uns so schwer, Beschränkung als etwas Positives zu sehen. Dabei ist sie eigentlich die Voraussetzung dafür, dass du überhaupt etwas fertig bekommst.
Perfektionismus frisst deinen Fokus
Wenn du bei dir Anzeichen dafür findest, dass du zum Perfektionismus neigst, dann hebe ich gleich einmal gemeinsam mit dir die Hand. Das kommt bei mir durchaus auch vor.
Nur perfekt ist gut genug. Dieser „Wert“, der zumindest in meiner Generation weitverbreitet ist, steht deinem Fokus ganz massiv im Wege.
- Perfektionismus braucht Zeit – die du besser anders investieren solltest.
- Perfektionismus macht nicht unbedingt glücklich – das Erreichen von Zielen, das Durchziehen von dem, was du dir vorgenommen hast, schon eher.
- Perfektionismus macht Druck – und zwar ohne deshalb ein „besseres“ Ergebnis zu erzielen.
Mach dir allerdings klar: Perfektionismus braucht Zeit. Und diese Zeit könntest du möglicherweise sinnvoller in andere Aufgaben oder Projekte investieren.
Hand aufs Herz: Macht dich das perfekte Ergebnis wirklich glücklich? Oder macht es dich vielleicht sogar glücklicher, wenn du konzentriert an einer Sache gearbeitet und sie anschließend tatsächlich abgeschlossen hast?
Perfektionismus macht Druck. Ohne dass das Ergebnis deshalb zwangsläufig wesentlich besser wird.
Auch hier hilft es also, die vorhandene Beschränkung zu akzeptieren.
Und dann wäre da noch die Endlichkeit unserer Zeit
Ein bisschen philosophischer
Rund um meinen 50. Geburtstag, wurde mir immer stärker bewusst, dass mehr als die Hälfte meines Lebens bereits vorbei war. Vielleicht kennst du dieses Gefühl ebenfalls. Plötzlich entsteht ein gewisser Druck, all die Dinge, die man noch ausprobieren, erleben und erreichen möchte, möglichst jetzt zu machen. Und nicht irgendwann in 20 oder 30 Jahren.
Das kann durchaus ein guter Antreiber sein. Denn es zwingt dich zu Entscheidungen: Was möchte ich wirklich noch tun? Was möchte ich erreichen? Und was darf ich auch einfach bleiben lassen?
Auf der anderen Seite ist es natürlich kein besonders großartiges Gefühl, zu akzeptieren, dass sich manches vielleicht nicht mehr ausgehen wird.
Ich erlebe dieses Thema auch bei Kundinnen und Kunden, die ungefähr in meinem Alter sind und jetzt in die Selbstständigkeit starten und sich ihr eigenes Business aufbauen. Und ich sage ganz bewusst nicht „jetzt erst“, sondern einfach jetzt. Natürlich möchten sie nicht 20 Jahre darauf warten, bis ihr Business funktioniert. Sie möchten schneller vorankommen.
Umso wichtiger ist die Entscheidung, worauf die vorhandene Zeit und Energie tatsächlich fließen soll.
Fokus kostet Energie
Fokus bedeutet auch Konzentration. Und jeder konzentrierte Gedanke verbraucht Körperenergie – und nicht gerade wenig! Ohne dich körperlich anzustrengen oder über irgendetwas nachzugrübeln verbrennt das Gehirn bereits 20 % der Energie, wenn du gedanklich aktiv bist, sind es sogar 50 %.
Stell dir vor! Die Hälfte deiner momentanen Energiereserve ist schon in Verwendung – ich nehme an, der Rest geht an die Aufrechterhaltung deiner Körperfunktionen.
Darum ist es so „energieraubend“, deine Arbeit für ein schnelles Zwischendurch immer wieder zu unterbrechen. Denn jede spezifische Aufgabe (und sei es nur das Lesen auf Facebook ;-)) aktiviert jeweils spezielle neuronale Netze. Ein Umschalten von A nach B bedeutet also einen höheren Energieaufwand.
Das ist auch ein Grund, wieso das „Anfangen“ so schwer ist. Nicht nur dein innerer Schweinehund ist „schuld“ daran, auch der notwendige Energieaufwand erschwert die Sache.
Akzeptiere die Beschränkung – dann wird Fokus leichter
Nicht alles geht gleichzeitig. Nicht alles muss perfekt sein. Und wahrscheinlich wird sich auch nicht alles ausgehen.
Das klingt im ersten Moment vielleicht nicht besonders motivierend. Aber versuch einmal, diese Beschränkung einfach als gegeben zu akzeptieren. Quasi als Naturgesetz.
Denn in dem Moment, in dem du aufhörst, ständig gegen diese Tatsache anzukämpfen, wird auch dein Widerstand geringer. Und dann fällt es dir möglicherweise wesentlich leichter, den Fokus auf das zu halten, was du gerade machen wolltest.
Nicht musst.
Wolltest.
Und genau dort wird Fokus plötzlich zu etwas Positivem.
Ganz konkret
Wo hilft dir diese Beschränkung nun ganz konkret? Zum Beispiel bei deiner To-do-Liste.
Wenn du deine To-do-Liste bewusst beschränkst, regelmäßig ausmistest und Dinge auch wieder streichst, weil du weißt, dass sie sich sowieso nicht ausgehen, entsteht Platz für die wirklich wichtigen Aufgaben. Wenn du dir täglich deine drei bis fünf Top-Prioritäten bewusst machst, steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass du diese Dinge auch tatsächlich erledigst.
Und ganz ehrlich: Drei abgeschlossene Aufgaben sind wesentlich befriedigender als zehn angefangene.
Genau dabei hilft dir Fokus. Nicht möglichst viel gleichzeitig anfangen, sondern ausgewählte Dinge tatsächlich zu Ende bringen.
Auch bei deinen Zielen gilt: weniger gleichzeitig
Das Gleiche gilt für Ziele. Wer kennt das nicht? Der 1. Jänner kommt und plötzlich möchten wir fünf oder zehn Dinge gleichzeitig verändern. Dieses Jahr wird schließlich unser Jahr. Alles wird anders, alles wird besser und natürlich sofort.
Wie wäre es stattdessen, wenn du dich auf ein oder zwei Veränderungen beschränkst?
Halte deinen Fokus darauf und setz diese Dinge tatsächlich um. Ändere eine Gewohnheit, etabliere eine neue und kümmere dich danach um die nächste. Nicht fünf gleichzeitig.
Auch hier hilft dir Fokus dabei, etwas nicht nur begeistert anzufangen, sondern tatsächlich abzuschließen beziehungsweise so lange dranzubleiben, bis die Veränderung wirklich angekommen ist.
Fokus schafft auch den Boden für Motivation
Und natürlich hilft dir diese Beschränkung beim täglichen Tun. Wenn du dir nicht mehr auf die To-do-Liste packst, als du realistischerweise schaffen kannst, und dich auf die wichtigsten Dinge konzentrierst, bekommst du wesentlich mehr davon tatsächlich abgeschlossen.
Und genau diese Abschlüsse sind für mich wiederum der richtige Boden für Motivation.
Motivation sollte hauptsächlich aus dir selbst kommen. Schließlich steht im Homeoffice eher selten jemand hinter dir und klopft dir regelmäßig auf die Schulter. Wenn du aber siehst, dass du Dinge abschließt, Projekte voranbringst und deine Ziele erreichst, entsteht daraus neue Motivation für die nächsten Schritte.
Fokus hilft dir also beim Abschließen. Und das Abschließen hilft dir wiederum beim Dranbleiben.
Deine Umsetzungsaufgabe: Geh mit dem Rotstift über deine Woche
Nach all der Philosophie möchte ich dir natürlich auch etwas ganz Praktisches mitgeben.
Nimm dir deine Wochenplanung für die nächste Woche zur Hand und geh einmal gedanklich – oder tatsächlich – mit dem Rotstift darüber. Schau dir jede Aufgabe an und frag dich:
- Hilft mir das wirklich bei meinen Zielen?
- Und werde ich das in dieser Woche tatsächlich fertig bekommen?
Alles, bei dem du nicht zu 100 Prozent Ja sagen kannst, darf zumindest hinterfragt werden.
Streich Dinge. Verschieb sie bewusst. Sag Nein. Beschränke dich auf das, was in dieser Woche wirklich wichtig ist und realistisch umgesetzt werden kann.
Und wenn du diesen Boden vorbereitet hast, kannst du eine der vielen Techniken einsetzen, um während der Umsetzung deinen Fokus zu halten.
Mein Tipp wäre beispielsweise, zwei bis vier Stunden deines Arbeitstages mit der Pomodoro-Technik zu arbeiten. Das ist Beschränkung par excellence: eine Aufgabe, ein klar begrenzter Zeitraum und möglichst wenig Ablenkung.
PS: Und bei allem Fokus bitte eines nicht vergessen: Bleib neugierig!


