Tipps für Solopreneure im Home-Office
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Warum Solopreneuren der Feierabend so schwerfällt und 11 + 1 Tipps, die wirklich helfen

Feierabend für Solopreneure

Du sitzt am Schreibtisch, die Uhr zeigt längst „Feierabend“, aber du arbeitest einfach weiter. Noch schnell diese E-Mail. Noch kurz das eine Kärtchen verschieben. Und plötzlich ist es 19 Uhr und du hast das Gefühl, den ganzen Tag gearbeitet zu haben, ohne wirklich etwas abgeschlossen zu haben.

So hat mir eine Kundin ihre Situation geschildert und um Tipps gebeten.

Wenn du Solopreneurin im Homeoffice bist, kennst du dieses Phänomen vermutlich nur zu gut. Der Tagesanfang? Den kriegen viele meiner Kundinnen mittlerweile gut hin. Aber der Tagesabschluss, das bewusste Beenden des Arbeitstages, ist für viele die viel größere Herausforderung.

Schauen wir uns zuerst die Gründe dafür an, bevor’s an die konkreten Tipps geht.

Warum wir Schwierigkeiten mit dem Tagesabschluss haben

Wer angestellt im Büro arbeitet, hat klare Strukturen: Kollegen verabschieden sich, der Heimweg sorgt für gedanklichen Abstand, die Bürotür fällt hinter einem zu. Im Homeoffice fällt das alles weg.

Dazu kommt etwas, was viele Frauen kennen: Unser Tag wurde lange Jahre von außen strukturiert. Durch Job, Kinder, Familie, PartnerIn. Plötzlich sollen wir uns selbst strukturieren, und das ist eine Herausforderung.

Es ist kein Versagen, wenn das nicht von heute auf morgen klappt!

Dazu kommt die typische Selbstüberforderung: „Da geht doch bestimmt noch was.“ Die To-do-Liste hört ja nie auf. Wenn niemand sagt „So, Feierabend!„, machen wir einfach weiter.

Was ein guter Tagesabschluss bewirkt

Ein bewusster Abschluss ist mehr als eine nette Routine. Er sorgt dafür, dass:

  • dein Gehirn lernt, wie viel du an einem Tag realistisch schaffst.
  • du mit Erfolgserlebnissen statt mit offenen Baustellen aus dem Tag gehst.
  • der nächste Morgen leichter wird, weil Prioritäten schon stehen.
  • die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben tatsächlich stattfindet.

Ohne Abschluss bleibt dein System im „Da geht noch was“-Modus. Und das ist auf Dauer das berühmte Hamsterrad.

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11 + 1 Tipps für einen guten Tagesabschluss im Homeoffice

1. Setze einen Wecker und einen echten Unterbrecher dahinter

Den Wecker abzuschalten, ist easy peasy. Was wirklich hilft: Wenn der Wecker läutet, stehst du auf, holst dir ein Glas Wasser, trinkst ein paar Schlucke und setzt dich erst dann wieder hin.

Diese echte körperliche Unterbrechung macht den Unterschied.

2. Baue dir physische Hürden auf

Eine meiner Kunden hatte das Problem, ein Arbeitsende zu finden. Immer wieder ist er „nur schnell“ zum Laptop gegangen, um „nur schnell“ etwas zu tun, was ihm gerade in den Kopf geschossen ist. So war der Prozess für ihn:

  • Variante 1) war, den Laptop zu einer von ihm täglich neu definierten Uhrzeit zu schließen. Hat nicht geklappt.
  • Variante 2) nicht nur zuklappen, sondern herunterfahren. Hat nicht geklappt.
  • Variante 3) Laptop in die Tasche packen. Hat nicht geklappt.
  • Und dann endlich: Laptop herunterfahren, in die Tasche packen und die Tasche außerhalb des Blickfeldes stellen.

Und falls dir das jetzt komisch vorkommt, beobachte selbst einmal die eine oder andere Gewohnheit von dir, aus wie vielen Schritten sie besteht!

Unser Gehirn ist manchmal gaga, wir müssen die Tricks finden, die für uns funktionieren.

3. Lege dir eine Abend-Checkliste an

In Trello, in Notion oder auf einem Zettel, Hauptsache, sie ist täglich da. Beispiele für Punkte:

  • To-dos durchgehen: Was geschafft, was nicht?
  • Drei Prioritäten für morgen festlegen
  • Browser schließen
  • E-Mail-Programm schließen
  • Schreibtisch aufräumen

Nimm dir gerne ein paar Punkte aus der Feierabend-Checkliste, die du hier kostenfrei bestellen kannst!

Schluss mit selbst und ständig - Feierabend-Checklisten

4. Der „Feierabend-Satz“ als verbales Ritual

Über physische Abschlüsse haben wir schon gesprochen. Aber vielleicht hilft auch ein verbales Ritual!

Sprich laut aus: „Ich bin für heute fertig!“ Klingt albern, wirkt aber erstaunlich gut. Das Gehirn braucht ein klares Signal, und im Homeoffice sagt niemand „Tschüss, bis morgen!

Nur weil du mehr machen könntest,
heißt das nicht, dass du nicht genug gemacht hast!

5. Wechsle deine Kleidung

Einer meiner ersten Home-Office-Tipps war immer, sich (saubere) Straßenschuhe anzuziehen, wenn der Arbeitstag beginnt. Das funktioniert auch am Ende eines Arbeitstages

Auch wenn es nur der Wechsel von der Bluse zum T-Shirt ist, vom Ohrring raus, von der einen Brille zur anderen: Ein bewusster Outfitwechsel signalisiert deinem Kopf, dass du die Rolle wechselst.

Hausschuhe anziehen funktioniert übrigens auch wunderbar.

6. Mach einen „Fake-Arbeitsweg“

Auch das war einer der ersten Tipps von mir, den ich selbst angewendet habe.

Im Büro hast du einen Heimweg, der dem Kopf hilft, mental umzuschalten. Im Homeoffice fehlt der komplett. Ein 10- bis 15-minütiger Spaziergang um den Block ersetzt den Pendelweg und markiert das Ende des Arbeitstages (oder den Anfang).

7. Das Drei-Sätze-Journal

Wenn dir eine ausführliche Abschlussroutine zu viel ist, beschränke dich auf drei Sätze in einem schönen Notizbuch:

  • Was habe ich heute geschafft?
  • Was nehme ich morgen als Erstes in Angriff?
  • Wofür bin ich heute dankbar?

Mehr braucht es nicht. Die Hürde ist niedrig, der Effekt erstaunlich groß.

Oder vielleicht ist das Erfolgstagebuch das Richtige für dich?

8. Zieh eine physische Grenze, auch ohne eigenes Arbeitszimmer

Du arbeitest im Wohnzimmer oder in der Küche (Schlafzimmer würde ich dir absolut nicht empfehlen!)? Dann hilft Folgendes:

  • Lege ein Tuch über den Bildschirm.
  • Räume den Laptop in eine Tasche oder eine schöne Box.
  • Stelle einen Paravent vor den Schreibtisch.

Was das Auge nicht sieht, beschäftigt den Kopf nicht. Dieses Phänomen hatten wir ja auch schon bei deinem Schreibtisch.

9. Verbinde den Abschluss mit etwas Schönem

Wann immer es um Gewohnheiten bzw. Routinen geht, hilft es, die neue Gewohnheit an eine bereits bestehende anzuknüpfen.

Wie wär’s, wenn zum Feierabend verlässlich etwas Angenehmes kommt?  Die erste Tasse Tee auf der Couch, 10 Minuten in deinem Lieblingsbuch, ein Podcast, die Yoga-Matte.

So beginnt dein Gehirn, den Abschluss positiv zu verknüpfen, statt ihn als lästige Pflicht zu empfinden.

10. Verabrede dich zum Feierabend

Diesen Tipp kennst du vielleicht, wenn es um den Start in die Woche oder in den Tag geht. Aber das klappt natürlich auch zum Feierabend!

Such dir eine befreundete Solopreneurin und verabredet euch: Um 17:00 Uhr eine kurze Sprachnachricht: „Ich mach jetzt Schluss. Was hast du heute geschafft?

Soziale Verbindlichkeit schlägt jeden Wecker!

Darum funktioniert das CoWorking ja auch so gut …

11. Lass bewusst eine offene Schleife liegen

Diesen Tipp habe ich das erste Mal von Schreib-Coaches gelesen:

Lass eine kleine, angefangene Aufgabe für morgen liegen. Einen halb geschriebenen Satz, eine angefangene Liste. Der Einstieg am nächsten Morgen fällt damit viel leichter. Und das nervige „Ich muss noch schnell fertig machen“-Gefühl verschwindet.

Klingt paradox, funktioniert aber.

Bonus-Tipp: Sei liebevoll mit dir

Vielleicht der wichtigste Tipp von allen.

Routinen brauchen Zeit, um sich zu etablieren. Und leider sind es immer die schlechten Routinen, die von heute auf morgen wieder da sind, während die guten Wochen brauchen, um sich einzuschleifen.

Wenn du heute nur vier Aufgaben auf deiner To-do-Liste hattest und davon drei geschafft hast: Das ist ein Erfolg.

Punkt.

Manchmal laufen Aufgaben mehrere Tage mit, weil wir sie nicht klein genug gemacht haben oder weil es uns einfach nicht so gut geht. Auch das ist okay.

Feiere die kleinen Dinge: das erledigte Kärtchen, den erledigten Kalendereintrag, den heute geschlossenen Browser.

Es ist ein Training, keine Prüfung!

Fazit: Dein Feierabend gehört dir

Der Tagesabschluss ist kein nettes Extra.

Er ist die Grundlage dafür, dass du langfristig gesund und mit Freude selbständig arbeitest. Such dir aus diesen Tipps einen aus, mit dem du heute (!) startest.

Nicht alle auf einmal. Einen.

Und dann darfst du dich dafür feiern.

PS: Und nicht vergessen: Bleib neugierig!


 

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